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Vom Liebhaber zum bösartigen Alten

Bernd Färber als der geizige Harpagon und Eva Kammigan als Heiratsvermittlerin Frosine. Foto: Rasche
Bernd Färber als der geizige Harpagon und Eva Kammigan als Heiratsvermittlerin Frosine. Foto: Rasche FOTO: Rasche
Senftenberg. Während es sonst um diese Zeit ein GlückAufFest gab, zelebriert die Neue Bühne Senftenberg in diesem Jahr "Kein GlückAufFest". Die Mitarbeiter gönnen sich ein Jahr Pause von dem aufwendigen Theaterspektakel. Ein bisschen spektakulär soll es aber trotzdem sein, deshalb gibt es zur Spielzeiteröffnung am 29. September einen zweiteiligen Theaterabend mit Liederprogramm "Parlez-moi d'Amour" und Molières Komödie "Der Geizige". Den spielt Bernd Färber, der zu den bekannten Gesichtern der Neuen Bühne zählt. Renate Marschall

Kaum zu glauben, was das Theater aus einem Menschen macht. Soll dieser gräuliche Alte wirklich Bernd Färber sein? Eben noch als Lysander jugendlicher Liebhaber im "Sommernachtstraum" und nun am Stock gebeugt, den Argwohn im Blick - Inbegriff des Geizigen? "Nahtlos ins Altersfach gewechselt", kommentiert der 34-Jährige. Harpagon, so heißt der Geizkragen, ist schließlich ein alter Mann mit erwachsenen Kindern.

Was die Maske mit dem Schauspieler macht, hält Bernd Färber aber gar nicht für so wichtig, wie das, was der Schauspieler bei den Zuschauern an Empfindungen zu wecken vermag. "Theater ist immer Verabredung und Altsein keine Frage des Alters. Dieser Geizhals Harpagon ist einfach zerfressen von Missgunst, Misstrauen, nur damit beschäftigt, sein Geld zu sichern. Wäre ich so verspannt, würde ich wahrscheinlich auch am Stock gehen", beschreibt Bernd Färber seine Figur.

Ein netter Typ ist der Harpagon nicht und altersweise natürlich auch nicht, dafür sorgt schon Molière. Sonst entstünde ja eine ganz andere Geschichte als dieses abgefahrene Verwirrspiel. Harpagon will seinen Sohn Cléante und die Tochter Elise möglichst schnell und einträglich aus dem Haus kriegen. Deshalb soll Clé ante eine Witwe heiraten und Elise den alten Anselm - der will wenigstens keine Mitgift. Dumm nur, dass beide Kinder schon verliebt sind. Schlimmer noch: Elises Geliebter Valère ist der Privatsekretär Harpagons und bekommt so brühwarm mit, was der Alte vorhat.

Natürlich kriegen sich die jungen Leute am Ende. Harpagon bleibt einsam zurück - mit seiner zwischendurch verschwundenen, aber wiedergefundenen Geldkassette. "Indem Molière den Spaß dermaßen auf die Spitze treibt, völlig überzieht, macht er sich über schwülstige Liebesdramen seiner Zeit lustig", erzählt Bernd Färber. Was würde er heute wohl aus den zahlreichen TV-Vorabendserien machen - der Meister? Stoff ohne Ende für Persiflagen.

Der Schauspieler, der nach dem Abitur schnurstracks auf die Schauspielschule ging - ans Mozarteum in Salzburg - mag am meisten die Rollen, in denen sich Tragisches und Komisches vereint. "Meist kann man über das Lachen mehr erreichen als über die hehre Tragik", ist er überzeugt. "Gerade, wenn die Komik aus der Not der Figur entsteht." Man lerne in diesem Beruf viel über die Menschen, so der Darsteller. Vorbereitung auf eine Rolle bedeute ja immer, in ein anderes Leben einzutauchen und es zu verstehen. Zu wissen, woraus das Gute aber auch das Böse erwächst.

Dass Bernd Färber Schauspieler und nichts anderes werden wollte, daran sind die Puppen schuld. "Ich war noch ziemlich klein, als mich meine Eltern zum ersten Mal mitgenommen haben zu einer Vorstellung der Augsburger Puppenkiste. Es war aufregend: Die Türen gingen auf, dann der rote Vorhang, und die Welt um mich her veränderte sich. Ich war so fasziniert, dass ich das immer wieder haben wollte", erinnert sich der in Augsburg geborene Schauspieler. Da hatte der 34-Jährige ja Glück, dass es auch in Senftenberg, wo er seit 2007 auf der Bühne steht, einen roten Vorhang gibt. Viele Rollen hat er schon gespielt - den Sultan Saladin in "Nathan der Weise", Nick in "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?", den Teufel in "Jedermann" oder Alfred P. Doolittle in der Amphitheater-Produktion "My fair Lady". Eine Lieblingsrolle? "Eigentlich ist das immer die, an der ich gerade arbeite", ist er nach kurzer Überlegung sicher.

Von der Pupppenkiste ist er nun schon viele eigene Rollen entfernt, hat versucht, für das Publikum Welten zu öffnen - wie es ihm damals geschah. "Ich finde es toll, wenn es gelingt, die Zuschauer emotional zu packen - gar nicht so über den Kopf. Wenn sie sich hineinziehen lassen, parteiisch werden, Teil der Geschichte", sagt der Schauspieler. Er ist den Puppen bis heute nicht böse. "Auch wenn man manchmal denkt: Wie schön es wäre, um 17 Uhr Feierabend zu haben, seinen Urlaub selbst planen zu können oder er von einem freien Wochenende träumt. Das ist vergessen, wenn die nächste Rolle lockt, Kostüm und Maske die Brücke in eine andere Welt schlagen und der rote Vorhang sie öffnet.