Kurz und knapp, ohne Hinleitung oder Dramaturgie. "Es geht mir darum, einen Moment zu erwischen, eine Situation an einem Punkt festzumachen", sagt Stein über seine Art, lustig zu sein. Mit ihr ist der Niedersachse zu einem der erfolgreichsten deutschen Cartoonisten geworden. Am 26. Dezember feiert er seinen 60. Geburtstag.
Mehr als 9,5 Millionen Exemplare seiner 43 Bücher hat Stein, der mit richtigem Namen Ulrich Steinfurth heißt, in seiner rund 25-jährigen Karriere verkauft. Die Zehn-Millionen-Marke würde er gern 2007 knacken. Der Erfolg seiner Mäuse, Pinguine oder schlicht des "Kleingetiers", wie er es ausdrückt, beschränkt sich nicht auf den Buchhandel: Große Zeitschriften drucken seine Zeichnungen seit Jahrzehnten wöchentlich. Kaffeebecher, Bettwäsche und Glückwunschkarten mit seinen Figuren sind in jedem größeren Kaufhaus zu finden, nicht nur in Deutschland.
Zu der großen Karriere als Cartoonist ist der schmächtige Mann mit der Igelfrisur nach eigenem Bekunden zufällig gekommen. Nicht nur, weil er in der Schule eine glatte vier in Zeichnen hatte. "Ich bin ganz krumme Wege gegangen, meine ersten Versuche waren einfach schlecht", sagt er. Also studierte er lieber Pädagogik, verzichtete auf die Prüfungen und begann zu fotografieren und zu schreiben. Mit humorvollen und sinnleeren Texten ergatterte er eine Radiosendung beim Saarländischen Rundfunk. Dass er Witze viel besser auf Papier erzählen kann, entdeckte Stein erst bei seiner Arbeit für Schweizer Zeitschriften und die St. Pauli-Nachrichten in den siebziger Jahren.
Längst hat Stein seine Zeichnungen perfektioniert. Die namenlosen Tiere und Menschen stehen in unnachahmlicher, leicht dödeliger Haltung vor bunten Hintergründen und schöpfen aus dem gesamten Fundus der Situationskomik. Vom Kalauer bis zum bitterbösen Witz, von der Alltagssatire bis zum harmlosen Wortspiel. "Humor ist ein ziemlich breites Spektrum. Ich bin froh, nicht so festgenagelt zu sein wie andere Cartoonisten. Mein Buchverlag lässt mich alles machen", sagt der ledige Hannoveraner. Anders als Karikaturisten wolle er aber nie Gesellschaftskritik betreiben.
Nur wenig Unterhaltung gönnt sich Stein dagegen in seinem eigenen Leben. "Ich fange jeden morgen um neun Uhr an zu arbeiten und höre um Mitternacht auf", sagt der Zigarettenraucher. Tagsüber Büroarbeit, abends zeichnen, möglichst jeden Tag - rast- und ruhelos. Die für 2007 geplanten Bücher seien schon fertig, ebenso die Kalender für 2008.
Selbst Weihnachten und den 60. Geburtstag wolle er am Zeichenbrett verbringen. "Ich sehe keinen Grund, an den Tagen zu feiern, denn ich habe ja nichts dazu geleistet. Wenn es mal etwas zu feiern gibt, dann vielleicht ein neues Buch", sagt Stein. Auch sein großes Hobby - Autorennen fahren - hat der Technik-Fan "aus Zeitgründen" aufgegeben. Zuletzt habe er nur selten mit seinem schnittigen Donkerford über Rennstrecken düsen können. Doch auch der disziplinierteste Mäuse-Zeichner kennt Ausnahmen: An Spieltagen der Fußball-Bundesliga habe für ihn Hannover 96 Priorität. Und in den Wintermonaten, die er seit Jahren in Florida verbringt, sitze er gern am Strand: "Zum Nachdenken über die Arbeit natürlich", sagt Stein und lächelt verschmitzt.