Bernd Seifert ist eine sächsische Frohnatur, Ulknudel und Baba-Jaga-Fan der ersten Stunde. Seit 2005 besucht er regelmäßig die Vorstellungen der Kulthexe. Beruflich arbeitet er als Klempner, seit einem Jahr aber auch als Schauspieler. Noch weit vor der Eröffnung des Boulevardtheaters in Dresden steckten die Theatermacher noch mitten in den Planungen, und es kam ihnen der Gedanke, eine Komödie über eine Dresdner Familie auf die Bühne zu bringen. Viele Ideen wurden entwickelt und auch wieder verworfen, denn wie soll sie sein, so eine Dresdner Familie? Dann, eines Tages, trafen sich die Theatermacher mit der Firma, welche im zukünftigen Boulevardtheater die gesamte Sanitär-Einrichtung umbauen sollte. Zum ersten Termin kam der Chef persönlich: Bernd Seifert. Schon nach den ersten zehn Minuten war klar - genau so soll das Familienoberhaupt sein!

Herr Seifert, wie wurde die Idee an Sie herangetragen?
Na ja, beim ersten Termin ging's einfach nur darum, wie viele Kloschüsseln, wohin die Abzugshaube kommt und so Zeug. Dann, ein paar Tage später, luden die mich zum Essen ein. Wir waren was trinken und so nach dem dritten Bier kamen sie mit ihrer Idee um die Ecke: Bernd, hättest du Lust mal Theater zu spielen, fragten sie mich. Da war ich platt und hielt das für einen Scherz. Aber die meinten das ernst und wollten eine Komödie mit mir und um mich herum auf die Bühne bringen.

Das ist dann auch geglückt. Das Stück trägt sogar Ihren Namen - "Familie Bernd Seifert" heißt es und spielt in Dresden. Geht es dabei um Sie persönlich?
Na ja, nicht wirklich. Die Familie trägt quasi nur meinen Namen - es ist aber alles ausgedacht. Und so schrullig, wie die alle sind, ist meine eigene Familie Gottseidank nicht.

Was erlebt Familie Bernd Seifert denn in dieser Komödie? Ist das nur was für Dresdner oder hat der Lausitzer da auch seine Freude dran?
Ich glaube, da hat jeder Spaß dran. Es ist zwar eine Dresdner Familie, aber verrückte Typen wie die gibt es überall. Wir zeigen da den Umzug der Seiferts in ihre neue Wohnung. Das ist ne klassische WBS 70 und es stellt sich die Frage: Was ist besser? Ein sanierter Altbau für mehr Geld oder eine geräumige Plattenwohnung für wesentlich weniger Miete? Dazu kommen dann noch die üblichen Probleme des Alltags - eine pubertäre Tochter, eine nervige Nachbarin und die goldene Hochzeit der Schwiegereltern steht auch an.

In Dresden hat die Komödie eingeschlagen wie eine Bombe. Sie sind richtig berühmt geworden. Wie fühlt sich das an, auf der Bühne zu stehen?
Also mir geht jedes Mal ganz schön die Pumpe, wenn ich auf die Bühne gehe, aber es ist ein herrlicher Spaß und macht Laune. Ich latsche nur immer über meine eigenen Füße, wenn ich tanzen soll.

Arbeiten Sie trotzdem weiter als Klempner?
Ja, klar - das ist ja mein Beruf und die Schauspielerei mehr ein Hobby.

Jetzt gastieren Sie erstmals außerhalb von Dresden - am Montag sind Sie im Amphitheater zu Gast. Waren Sie schon mal in Senftenberg?
Na aber klar! Wir fahren im Sommer mindestens einmal her und gucken uns die Hexe Baba Jaga an. Davor huppe ich immer noch mal in den See. Das Wasser ist herrlich hier. Ich mag Senftenberg - das ist immer wie ein kleiner Miniurlaub.

Gehen Sie am Montag dann auch baden, oder wird da noch geprobt?
Nee, ich glaube zum Baden fehlen mir die Nerven. Ich bin derartig aufgeregt, mir geht die Pumpe eins zu tausend, wenn ich daran denke. Weil das Publikum hier in Senftenberg immer der Hammer ist. Die Stimmung war immer spitze, wenn wir hier zu Gast waren.

Mit Bernd Seifert

sprach Andreas Reuther

15. August: Familie Bernd Seifert - Eine Dresdner Komödie Regie: Olaf Becker. Es spielen: Bernd Seifert, Kathleen Gaube, Lena Heimannsberg, Philipp Richter, Henriette Fee Grützner und Fabian Baecker, Amphitheater am Senftenberger See, Karten im Vorverkauf 24 Euro, an der Abendkasse 28 Euro. Beginn ist 20 Uhr.