Erstmals präsentiert sich der neue Braunkohle-Konzern Leag in Cottbus als Förderer der Künste. Seit Mittwochabend und noch bis März 2017 sind im Foyer des Verwaltungsgebäudes unter dem Titel "Bewegte Landschaft" Skizzen, Fotos und Projekttafeln von Undine Giseke zu sehen. Die 1956 geborene Landschaftsarchitektin und Professorin an der Technischen Universität Berlin hat den Gottfried-Semper-Architekturpreis 2015 gewonnen - gestiftet mit Geld des Leag-Vorgängers Vattenfall.

Radikaler Entwurf für Welzow

Giseke hat Bezug zur Lausitz. Aus ihrem Büro stammt der preisgekrönte Entwurf, nach dem der Senftenberger Stadthafen gebaut worden ist. Aufsehen erregte sie mit ihrer Idee für eine Bergbaufolgelandschaft - der "Wüste Welzow". Ein radikaler Versuch. Statt wiederhergestellten Ackerflächen, Wäldern und Seen schwebte Gisekes Team der Einsatz der Tagebaugeräte für Schüttungen von Erdkegeln und Wällen vor. Diese sollten schrittweise mit Pflanzen besiedelt werden. Bis 2007 plante Giseke mit Kollegen das Unerhörte. Bewohner umliegender Gemeinden protestierten und stoppten das Vorhaben. Im Leag-Gebäude ist nun zu sehen, wie die Wüste bei Welzow ausgesehen hätte.

Als Forscherin in Afrika

Giseke, aus Lausitzer Sicht umstritten mit ihrem Ansatz, gilt als weltweit renommierte Forscherin. Sie sei deutsche Botschafterin ihres Fachs, sagte Clemens Deilmann zur Ausstellungseröffnung. Der Dresdener Professor vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung sitzt in der Findungskommission für den Semper-Preis. Der wird von der Sächsischen Akademie der Künste sowie der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt verliehen.

Wenn Giseke im Ausland unterwegs ist, arbeitet sie mit Menschen aus dem jeweiligen Ort zusammen. Dabei geht es manchmal um kleine Dinge. Wie in Agatare, einem Stadtteil von Kigali, der Hauptstadt des zentralafrikanischen Staats Ruanda. An einem hölzernen Kiosk holen sich dortige Bewohner, deren Häuser keinen Anschluss ans Leitungsnetz haben, das Trinkwasser. Sie wünschten sich Beleuchtung am Kiosk, denn es wird gegen sechs Uhr abends dunkel. Es gibt keine Straßenlaternen, und zwangsläufig ist die Wasserstelle zentraler Treffpunkt. Mit Studierenden und Einheimischen setzte Giseke den Kiosk instand. Der bekam eine Solaranlage, Lampen und eine Handy-Ladestation. Rundherum wurden Obstbäume gepflanzt.

In Ruanda widmet sich das Team von Giseke dem Rapid Planning, also zügigem Planen. Das werde notwendig, wenn Millionenstädte sehr schnell ins meist landwirtschaftlich geprägte Umland hineinwachsen. "In Kigali forschen wir darüber, welche Infrastrukturen die schnell wachsenden Städte von morgen brauchen", sagte Giseke der RUNDSCHAU. Dabei gehe es auch ums Teilen: Die Bauern in den Niederungen um Metropole brauchten ebenfalls Wasser für die Bewässerung ihrer Felder.

BTU als Partner

Einer der Partner des Rapid-Planning-Projekts ist die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg. Das läuft noch bis 2019, der Bund gibt Fördermittel.

Wie die Leag sich weiter beim Semper-Preis engagiert, ist nach Angaben ihres Vorstandschefs Helmar Rendez derzeit in der Diskussion. In geeigneter Form solle das Vattenfall-Erbe "anders" fortgeführt werden. Es gibt also Chancen auf weitere, durch Braunkohle-Erträge gesponserte Kunstausstellungen in Cottbus.

Zum Thema:
Undine Giseke (60) arbeitet als Landschaftsarchitektin mit Schwerpunkt Freilandplanung und Stadtentwicklung. Seit 2003 Universitätsprofessorin an der TU Berlin. Ausstellung bis 17. März, wochentags von 8 bis 16 Uhr. Im Video erklärt Giseke, warum sich der Besuch lohnt.