Jede Menge Sex und die bis zum Schluss rätselhafte Identitätssuche eines Mannes mit Doppelgänger-Syndrom. Dass Berlin als Schauplatz erst auf Seite zwei genannt wird, grenzt an Etikettenschwindel. Der erfahrene Lyriker Falkner (65) hat mit seinem ersten Roman vor allem auch ein fantastisch bilderreiches, originelles und wortmächtiges Porträt der Hauptstadt zwischen den späten 70ern und den ersten Jahren nach der Wende geschrieben. Sein Ich-Erzähler Georg Autenrieth, Jahrgang 1951 wie der Autor, zieht als junger Mann aus Franken in das West-Berliner Kreuzberg. Er bestaunt diese seltsame Insel für durchpolitisierte wie auch komplett apolitische Sinn- und Ich-Sucher zwischen DDR samt Stasi und West-Geheimdiensten.

Gerhard Falkner: Apollokalypse. Berlin Verlag, 432 Seiten, 22 Euro