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Filmfestival Cottbus
Vietnam steht im Focus beim Filmfestival

Vietnam steht im Focus beim Filmfestival.
Vietnam steht im Focus beim Filmfestival. FOTO: Filmfestival Cottbus
Cottbus. Vietnam in Europa steht im Focus des 27. Filmfestivals Cottbus. Beleuchtet werden die Erfahrungen von Menschen, die in den sozialistischen Ländern gelernt und gearbeitet haben und nicht selten noch immer auf Heimatsuche sind. Von Ida Kretzschmar

Dieser ungläubige Gesichtsausdruck spricht Bände. Der Sohn eines vietnamesischen Bauern wird von seiner Zimmerwirtin in Leipzig zu Bockwurst mit Kartoffelsalat eingeladen. Tapfer versucht der angehende Student dem Gericht mit Messer und Gabel Herr zu werden, holt dann doch seine Stäbchen hervor. Geschmeckt hat es ihm dennoch nicht, bekennt er. „Meine Erlebnisse“ überschreibt Nguyen Luong Duc seinen Diplomfilm an der damaligen Hochschule für Filmkunst Babelsberg (DDR,1962). Mit feiner Selbstironie betrachtet er den interkulturellen Dialog, den er in den 50er-Jahren in Leipzig und Babelsberg blutjung selbst zu führen lernte. Da erschienen ihm nicht nur die Stöckchen an den Schuhen der Frauen seltsam. Und doch fand er Gemeinsamkeiten, kam er doch ebenso aus einem geteilten Land. Diesem 20-minütigen Film, zeithistorisches Zeugnis und anrührende Hommage an das Gastland DDR, folgt ein halbstündiger Streifen, der 30 Jahre später entstanden ist. Der Lack ist ab. Das Land, in das einst vietnamesische Studenten und Vertragsarbeiter geholt wurden, ist am Zerbröckeln. Viele Menschen hatten es schon vorher fluchtartig verlassen. „Wir bleiben hier“, die Losung, die auf einigen Demos der friedlichen Revolution von denen hochgehalten wurde, die etwas vor Ort ändern wollten, ist auch Titel des Films von Dirk Otto (DDR/DE, 1990). Eine vietnamesische Familie hofft in der Wendezeit, dass sie bleiben kann. Hier, wo Frau und Mann in der Hälfte ihres Lebens noch Arbeit haben und sie sich für ihr Töchterchen eine Zukunft ausmalen. Früher, so wissen sie, wäre Bleiben undenkbar gewesen. Die Aufenthaltsdauer war streng auf drei Jahre festgelegt, mit eventueller Aussicht auf vier bis fünf Jahre Verlängerung. In Wohnheimen untergebracht, gab es strenge Regeln. Eigentlich durfte die Tochter auch jetzt noch nicht dort mit ihnen leben, bekennt die Mutter im Film. Sie spricht auch von der Solidarität, die kaum noch zu spüren ist und von den Ängsten, die zunehmende Fremdenfeindlichkeit schürt. Sie hätten so gern mitgefeiert, dass Deutschland wieder ein Land wird, aber sie trauten sich immer weniger auf die Straße.