Unbarmherzig prasselt der Regen an diesem frühen Morgen auf den Spreewald nieder. Transporter der Filmcrew sind im aufgeweichten Boden festgefahren. Tropfende Gestalten halten sich im Hof der Familie Günther an der Burger Ringchaussee, wo der Drehstab die Basis aufgeschlagen hat, an heißem Kaffee fest. Doch Regieassistentin Lilly Hagemann ist guten Mutes: "Wir sind froh, dass es regnet, weil das eine tolle Stimmung gibt." Sowieso sei für heute ein Wet Down, künstliche Nässe, geplant gewesen. Die könne man sich nun sparen. Und so kann es am Drehort - ein Stück weiter, Am grünen Wald 5, dem Moritz-Hof - losgehen. Die Filmcrew, insgesamt 25 Leute ohne Schauspieler, kehrt letzte Wasserpfützen zur Seite und macht die Technik startklar.

Auch Rolf Hoppe, der aus über 400 Film- und Bühnenrollen bekannte und inzwischen 80-jährige Schauspieler aus Dresden, steht in grasgrünen Gummistiefeln bereit. Er spielt den alzhei merkranken Hermann Stein, dessen Sohn tot im Teich des Gartens von Schloss Lübbenau gefunden wird. Stein ist aus dem Altersheim geflüchtet, bei ihm ist Altenpfleger René, dargestellt von Ludwig Blochberger (28), der unter anderem schon in "Das Leben der anderen" mitgespielt hat.

"Ruhe bitte, wir machen eine Probe!", ruft Lilly Hagemann. Ein weißer Eimer stört noch im Bild, dann heißt es: "Wir drehen!" Nun herrscht absolute Stille, nur der Regen tropft leise auf Blätter und Wasser. Christian Redl, der seit dem ersten Spreewaldkrimi Kommissar Thorsten Krüger spielt, fragt Richtung Kahn: "Kann ich Sie mal kurz sprechen?" Dort hat René (Blochberger) dem alten Stein (Hoppe) in den kippeligen Kahn geholfen. Wieder und wieder wird die Szene gedreht, und jedesmal muss die Bank im Kahn trockengewischt werden, damit sich Rolf Hoppe nicht in die Nässe setzt.

Hoppe: "Noch nie im Spreewald"

Doch der 80-Jährige hat Freude am Dreh, macht seine Späßchen mit der Requisite und zeigt auch nach der x-ten Wiederholung der schaukeligen Szene keine Anzeichen von Seekrankheit: "Dazu habe ich gar keine Zeit, da denke ich an alles Mögliche." Und in einer Drehpause gibt er zu, dass er noch nie im Spreewald war, bisher nur mit dem Auto durchgefahren ist. "Dabei ist das so eine tolle Kulisse hier", sagt Hoppe.

Das kann Christian Redl bestätigen, die einzige konstante Figur der Spreewaldkrimis. Der 63-Jährige war bei "Das Geheimnis im Moor" (2006), "Der Tote im Spreewald" (2009) und "Die Tränen der Fische" (2011) dabei - und wird inzwischen im Spreewald erkannt und mit "Guten Tag, Herr Kommissar" angesprochen. "Ich komme immer lieber hierher - das ist eine ganz andere Welt als Hamburg, wo ich wohne", schwärmt Redl, der im Schloss Lübbenau übernachtet. "Und die Besetzung ist jedesmal exquisit." Er meint damit Anna Loos, Henry Hübchen oder jetzt Rolf Hoppe und Muriel Baumeister. Redls Lieblingskrimi war jedoch der mit Nadja Uhl. "Das war wie ein dunkles Märchen", erinnert er sich und blickt auf die nächsten Drehtage: "Das wird noch einmal hart - wir drehen auch nachts auf den Fließen."

Fünfter Spreewaldkrimi 2012

Von Burg aus geht es dann noch für acht Drehtage nach Berlin. Gesendet wird der Film (Regie: Torsten C. Fischer), in dem es noch einen weiteren Toten gibt und in beiden Fällen Gift als Ursache festgestellt wird, nach Auskunft von Lilly Hagemann Anfang kommenden Jahres. Er ist eine ZDF-Auftragsproduktion der Monaco Film GmbH. Ein weiterer, fünfter Spreewaldkrimi soll bereits im Frühjahr 2012 gedreht werden, freut sich Christian Redl.

Dann werden sicher auch wieder Komparsen aus der Region dabei sein wie diesmal. Falk Bonadt (31) ist Polizist in Lübbenau und läuft als ebensolcher einige Male durchs Bild. Erst gestern Abend hat er von seinem Film-Einsatz erfahren. "Das ist schon mal etwas anderes als der normale Dienst", meint er.

Nach über zwei Stunden hört der Regen auf. Nun fehlen aber wieder die Wassertropfen auf den Film-Regenschirmen. Rolf Hoppe taucht seinen kurzerhand ins Fließ. "Eben ganz Profi", tönt es lachend aus dem Drehstab.

Mehr Bilder von den Dreharbeiten in Burg unter www.lr-online.de/bilder