"Das war diesmal wieder schwer für die Jury", resümierte Festival-Programmdirektor Bernd Buder am Sonnabend nach der Preisverleihung in der Cottbuser Stadthalle. "Das waren wirklich zwölf sehr gute Spielfilme im Wettbewerb." Das im Kosovo geborenen Jury-Mitglied Visar Morina bestätigt: "Es war eine besondere Situation, da alle Jurymitglieder Regisseure sind und teilweise extrem konträre Meinungen haben."

Hatte es in der Vergangenheit schon die eine oder andere verwunderliche Entscheidung gegeben, konnte also die Jury in diesem Jahr eigentlich gar nichts "falsch" machen. Aber wenn es ein Film verdient hat, hier zu gewinnen, dann natürlich "Mittagssonne", der in diesem Jahr schon. in Cannes mehrere Preise abgeräumt hat. Meisterhaft erzählt Regisseur Matanic in drei Episoden, die zwischen 1991 und 2011 spielen, die Unmöglichkeit der Liebe zwischen einer Serbin und einem Kroaten - gespielt von immer derselben Paarbesetzung.

Interessant ist auch der Hintergrund, dass dieser Film auf dem das Festival begleitenden Ost-West-Koproduktionsmarkt connecting cottbus (coco) verabredet wurde. Das trifft auch zu für zwei weitere Hauptwettbewerbs-Beiträge: "Familienfilm" des Tschechen Olmo Omerzu, der mit Karel Roden auch den Preis für den besten Darsteller gewinnen konnte, und "Siska Deluxe". Dessen slowenischer Regisseur Jan Cvitkovic ist in Cottbus immer sehr erfolgreich. Er war 1999 Hauptdarsteller des Gewinnerfilms "Müßiggang" von Janez Burger, holte als Regisseur 2001 mit "Brot und Milch" den Spezial- und mit "Von Grab zu Grab" 2005 den Hauptpreis. Und in diesem Jahr kürte das Publikum "Siska Deluxe" um drei Verlierer, die zu Gewinnern werden, zum Lieblingsfilm. Den von der RUNDSCHAU gestifteten Publikumspreis in Höhe von 3000 Euro überreichte Chefredakteur Johannes M. Fischer. Das Publikum konnte, wenn es abgestimmt hatte, auch selbst gewinnen. Die Gewinner zog, unbeeindruckt von dem am Nachmittag in letzter Sekunde verschenkten Heimsieg gegen den VfB Stuttgart II, Energie-Cheftrainer Vasile Miriuta.

Das 25. Festival bot mit mehr als 200 Filmen aus rund 40 Ländern so viel Kino wie noch nie. Es gab mit dem Cottbuser Stadthaus, dem Kunstmuseum Dieselkraftwerk, dem Besucherzentrum Gutshof Branitz und dem Planetarium vier zusätzliche Spielstätten. Das Planetarium, in dem Fulldome-Filme gezeigt wurden, war schon vor dem Festival ausverkauft, sodass eine (ebenfalls rasch ausverkaufte) Zusatzveranstaltung anberaumt wurde. Ruft nach Forstsetzung!

Ausverkauft war angeblich auch "Elegia Industrial", das 3-D-Projekt von Donald Saischowa (Regie) und Stefan Friedrich (Live-Percussion), am Mittwoch im Glad-House-Saal. Dann gab's irgendwie doch noch Karten, aber es hatten sich nicht wenige Interessenten an diesem Abend schon für andere Vorstellungen entschieden. Ärgerlich, es blieben unnötigerweise Plätze frei.

Erstmals gab es den Festival-Katalog nur im Internet beziehungsweise auf einem USB-Stick. Gewöhnungsbedürftig. Auch erschließt sich nicht, warum zur Abschlussgala auf die Simultan-Übersetzungen verzichtet wurde.

Nach dem Festival, das mehr als 20 000 Besucher hatte, ist vor dem Festival: 2016 ist Cottbus vom 8. bis zum 13. November wieder das Mekka für den osteuropäischen Film.

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