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| 14:28 Uhr

Lebendiges Erbe
Bei den Bäumen im Spiel der Elemente

Probesitzen auf dem neuen Gestühl: Gert Streidt (l.) und Bernhard Neisener.
Probesitzen auf dem neuen Gestühl: Gert Streidt (l.) und Bernhard Neisener. FOTO: Günter Schiel
Cottbus . Der Verein Fürst Pückler in Branitz feiert den Geburtstag des Gartenkünstlers und übergibt neues Gestühl für den Rosenhügel. Von Ida Kretzschmar

„Happy Birthday“ klingt es in der Gutsökonomie im Gartenreich des Grünen Fürsten. Es ist schon Tradition, dass sich der Verein Fürst Pückler in Branitz am Geburtstag des umtriebigen Landschaftsgestalters zur festlichen Mitgliederversammlung trifft.

Am 30.Oktober 1785 wurde Hermann von Pückler geboren. Und wie es sich für eine Geburtstagsfeier mit Freunden gehört, gibt es Überraschungen. Klaus Trende liest Gedichte aus seinem 1992 veröffentlichten Lyrikband „Passage Branitz“. Texte, die entstanden, als Trende Heimat und Anker in Cottbus suchte und ein fast erotisches Verhältnis zu dem fand, was Pückler hinterließ, gesteht er. „Und wie das so ist, mit dem, was man liebt, man versucht, es festzuhalten, aufzubewahren, sich zu erinnern“, führt Trende in seine Miniaturen ein, die leichtfüßig, aber nicht ohne Schwermut daherkommen. „Pückler stand zeitlebens vor dem Widerspruch, dauern zu wollen und sterben zu müssen. Das grundiert seine Melancholie“, beschreibt es Klaus Trende, der in seinen „Variationen über das Naturell des Fürsten Pückler“ dem tiefgründig nachzuspüren sucht. Aus seinem Gedichtband wählt er vor allem jene Texte aus diesem Spannungsfeld zwischen Liebe und Tod, bewegt er sich zwischen Heute und Gestern, folgt er der „Brückenspur“... Im Gleichmaß der Bäume fühlt er, „nur Gegenwart spült an das Ufer. Endlich da und von keinem Wort zerschnitten die Zeit.“

Mit Saxofon, Gitarre und Gesang taucht Marie-Joana die Texte in Musik, untermalt durch Fotos, die Pücklers Park im Wandel der Jahreszeiten zeigen. „Parkpartien, Sichtachsen, architektonische Zeichen, das Spiel der Elemente, Wasser und Erde, Licht und Schatten, die Balance von natürlicher Kulisse und menschlichem Eingriff ... geben Sinnbilder einer Lebensreise“, schildert Trende in seinem Essay, das 2018 entstand. Auch sein Gedicht „Die neue Sprache“ ist ganz aktuell. Es endet mit den Zeilen: „Das ist die Stille am Ende des Wegs.“

Ein gutes Stichwort für den Vorstandsvorsitzenden des Fördervereins, Bernhard Neisener, eine weitere Überraschung bekannt zu geben. „Wäre es nicht wunderschön, diese Zeilen zu lesen, den Blick über die Wiese, das Hundegrab, die Warwick-Vase zum Schloss gleiten zu lassen – und dabei einen festen Sitz zu haben?“ sinniert er. Und nutzt die Gelegenheit, der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz einen neuen „Verlorenen Ort“ zu übergeben. Stiftungsdirektor Gert Streidt freut sich über das neue Gestühl für den Rosenhügel, „ein Lieblingsplatz für viele Parkbesucher“, weiß er. Ausdrücklich bedankt er sich für das Engagement und die Liebe, die der Verein Pücklers Erbe entgegenbringt. Besonders freue er sich, dass durch den Kulturlandschaftspreis und verschiedene Schulprojekte der Wirkungskreis des Vereins deutlich potenziert wurde und auch junge Leute einbeziehe.

„Das Jahr 2018 ist ein gutes Jahr für Branitz“, betont er. Die Anerkunnung als Landesstiftung habe unter anderem dazu geführt, dass zwölf neue Stellen für die weitere erfolgreiche Bewahrung des Pücklerschen Erbes geschaffen werden konnten. Leider seien die Besucherzahlen leicht rückläufig, wozu wohl die schlechten Nachrichten aus Cottbus zu Jahresbeginn beigetragen hätten. 2019 werde viel gebaut: am Cavalierhaus, im Orient- und Musikzimmer und am Dach des Schlosses, an den Parkwegen...

Vor allem aber gilt es den Geist dieser Parklandschaft lebendig zu halten, wie auch an diesem 233. Geburtstag ihres Schöpfers. Klaus Trende spricht in seinem Essay von Pücklers Wandersehnsucht, die ihn zu sich selbst führt, und zitiert den Fürsten: „Nichts besser als in Branitz.“

Klaus Trende breitet Variationen über das Naturell des Fürsten Pücklers aus. Foto: Günter Schiel
Klaus Trende breitet Variationen über das Naturell des Fürsten Pücklers aus. Foto: Günter Schiel FOTO: Günter Schiel
..Marie-Joana sorgt für ganz eigene musikalische Farbtupfer.
..Marie-Joana sorgt für ganz eigene musikalische Farbtupfer. FOTO: Günter Schiel