Schon beim ersten Titel wird wie bei seinem Auftritt vor zwei Jahren an gleicher Stelle klar: Das ist kein „normales“ Stadthallen-Konzert, sondern eher eine bunte Party. Mit frenetischem Jubel und Sprechchören begrüßt, erscheint der immer etwas reserviert und hölzern wirkende Kaiser auf der Cottbuser Bühne, und schon bei den ersten Tönen seines 1981er-Hits „Dich zu lieben“ hält es das Publikum nicht auf den Sitzen.
Obwohl der Schlagersänger an einigen Textstellen merklich mit der Luft kämpft - er leidet an einer chronischen Lungenkrankheit, wegen der er im vergangenen Jahr schon ein Konzert in Wünsdorf abbrechen musste - scheint die Begeisterung grenzenlos: Eine vorrangig jugendliche Polonaise schlängelt sich von der obersten Stadthallenreihe bis vor die Bühne, was besonders bei den älteren Besuchern für teils ungläubige, teils verärgerte Blicke sorgt. Denn mit einem ruhigen Konzert, bei dem man auch im Sitzen alles sieht, hat dies nicht viel zu tun. Sondern eher mit einem gewissen Kult, der sich jedes Jahr bei der „Kaiser-Mania“ am Dresdner Elbufer manifestiert, zu der im vergangenen Jahr 11 000 Menschen kamen.

1300 Besucher feiern
In Cottbus sind es mit 1300 Besuchern nicht ganz so viele, aber auch hier werden gleich am Anfang und beileibe nicht nur von den Frauen die Titel „Extreme“ und „Das fünfte Element“ verlangt, Kult eben. Ob der sich auf die Lieder an sich oder den 54-jährigen Sänger, auf beides oder Stimmung und Spaß bezieht, bleibt Spekulation.
Jedenfalls dankt der Kaiser sehr für das Vertrauen, das ihm seit über 30 Jahren auf der Bühne entgegengebracht wird, und feuert über 20 seiner schönsten Lieder ab, die alle nicht ins Herz gehen, sondern darunter, wie er selbst sagt. „Lieb mich ein letztes Mal“ , „Haut an Haut verbrennen“ , „Santa Maria“ - er besingt Nächte, die ewig leben, explodierende Himmel, Inseln, die aus Träumen geboren sind. Pikante Texte eben, die immer leicht frivol sind und mit denen er deshalb so polarisiert.
Und alles hat ein bisschen mit seinem Leben zu tun, mit seiner ersten Ehe, seiner ersten Liebe, einfach immer wieder mit Frauen, gegen die die Männer wegen deren Verführungskraft angeblich sowieso keine Chance hätten.
Für diese These erntet er den Applaus nicht nur der Männer. Und auch dafür, dass er nach der Pause auf das gerade laufende Fußballspiel der Cottbuser in Berlin zu sprechen kommt und Energie den Sieg wünscht. Als er dann sehr passend nach dem Titel „Schach matt“ durchgibt, dass Energie mit 1:0 in Führung liegt, erfreut das auch die Letzten, die die Nachricht noch nicht per SMS erhalten haben.
Nicht nur das Tor, sondern vor allem der Disko-Titel „Sag ihm, dass ich dich liebe“ lässt die Stadthalle danach beinahe zu einem Tanzsaal werden. Mittlerweile haben sich auch viele der älteren Konzertbesucher von der Stimmung mitreißen lassen. Was Roland Kaiser zu der prompten Verlautbarung motiviert, es habe gar keinen Sinn, dass er mit seinen Auftritten aufhöre, wenn es jedesmal so traumhaft sei wie heute Abend. „Ich glaub', es geht schon wieder los“ singt er denn auch einen seiner erfolgreichsten Titel, und fast die ganze Stadthalle steht und feiert ihn und seine neunköpfige Band, die es geschickt versteht, auch gelegentliche schiefe Töne des Kaisers zu kaschieren.

„Extreme“ Situationen
Und dann, wie anfangs von ihm angekündigt, bringt er genau fünf Minuten nach um zehn das „Fünfte Element“ , dicht gefolgt von den „Extremen“ . Es scheint, als würde selbst die ganze Stadthalle von Gefühlen wie Zügen durchfahren und von nicht aufzuhaltender Sehnsucht überschwemmt. Roland Kaiser applaudiert dem Publikum und verkündet, dass er noch Lust habe, etwas zu singen. Mit dem 84er-Hit „Joana“ lässt er seine Fans noch einmal verbotene Träume erleben, ehe er sich noch zu seiner obligatorischen Zugabe hinreißen lässt: „Bis zum nächsten Mal“ . Und das lassen sich viele der Lausitzer Fans gerne sagen.