Verblüffend. Es ist, als blicke man direkt in die pralle Lebenswelt des Fürsten Pückler. Was für ein Prunk, welch üppige intensive Farben, welch extravaganter Geschmack überwältigen die Besucher, die Dienstagabend durch die Salontüren treten. Goldverzierungen, silberdurchwirkte Quasten und Schnüre, strahlende Kronleuchter, feuervergoldet oder im romantischen Blau, komplett erneuerte kostbare Wandbespannungen aus Seidendamast, weiche, gemusterte, farbkräftige Spannteppiche, wie sie Pückler in England lieben gelernt hatte . . .

"Wir haben versucht, alle Räume so authentisch wie nur irgend möglich wiederherzustellen", erzählt der Branitzer Torhausarchitekt Enrico Nowka.

Gemeinsame Förderung von Ostdeutscher Sparkassenstiftung, Sparkasse Spree-Neiße sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien machten die Restaurierung und Ausstattung der Salons und des Frühstückszimmers möglich. Und großzügige Leihgaben der gräflichen Familie, von Stiftungen sowie originalgetreue Nachbildungen, wo Ausstattungsstücke fehlten. Der Neorokko-Tisch im Empfangszimmer, die Kommode, auch der Leuchter im Blauen Salon gehören zu den Originalen. Das Bett im Schlafkabinett aber wurde nach Schriften des Fürsten rekonstruiert, berichtet der Architekt. Dokumente beschreiben detailgetreu, wie das Bett aussah, dass der Fürst aus Bad Muskau mitbrachte und hier in eine Nische einpassen ließ. Ein Stoffrest gab Hinweise, dass es in Baumwolle eingekleidet war. Muster aus Blumen und Früchten entsprechen ganz der fürstlichen Wohnkultur des 19. Jahrhunderts.

Alle drei Salons strahlen fürstliche Eleganz und auch ein wenig Extravaganz. Das Schlafkabinett mit seinen überbordenden Farben und dem bunten Eckkamin aber hat es Nowka am meisten angetan. "Es wurde ja auch für eine Prinzessin, die spätere preußische Königin und deutsche Kaiserin Augusta eingerichtet."

Fürst Pückler habe sie sehr verehrt und immer wieder nach Branitz eingeladen. Eines Tages kam sie dann endlich. Und Pückler durfte für sie den Park Babelsberg gestalten, erzählt der Direktor der Branitzer Stiftung, Gert Streidt, bei der feierlichen Eröffnung der Räume am Dienstagabend, die von der mehrfach ausgezeichneten 17-jährigen Pianistin Marie Jäschke in Musik getaucht wurde.

Streidt informierte Förderer und Gäste über umfangreiche archivalische Forschungen. So gehen die Gestaltung und Ausstattung der Salons vor allem auf den Potsdamer Baumeister und Hofbaurat, den Schinkel-Schüler Ferdinand von Arnim, zurück, der bei der preußischen Königsfamilie hohes Ansehen genoss. Er prägte die Innenarchitektur des Schlosses, wie sie nun wieder erlebbar ist. Wobei natürlich Pückler den großen Plan selbst vorgab, war doch das Schloss Teil seines Gesamtkunstwerks. Dass jetzt wieder fürstlich strahlt - ein Gemeinschaftswerk von Wissenschaftlern, Architekten, Restauratoren, Handwerkern und Bauleuten, wie Gert Streidt anerkennt.

"Die Salons gehören zu den kostbarsten Raumgestaltungen des Pückler-Schlosses in Branitz. Mit ihnen ist der letzte Bauabschnitt des aufwendigen Restaurierungsprojektes abgeschlossen", freut sich der Stiftungsratsvorsitzende der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz, der Cottbuser Oberbürgermeister Holger Kelch.

Im Juni 2012 begann das ehrgeizige Projekt. "Der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Sparkasse Spree-Neiße war es eine große Freude, ihre gemeinsamen Möglichkeiten zu bündeln, damit die hochattraktiven Gästeräume Pücklers von Besuchern aus nah und fern wieder erlebt werden können", betont Michael Ermrich, Vorstandsvorsitzender der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und Geschäftsführender Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes.

Und Ralf Braun, Vorstandsmitglied der Sparkasse Spree-Neiße, ist sich sicher: "Die Neuausstattung der kostbaren Innenräume des Schlosses wird unseren schillernden Fürsten und seine pücklersche Lebenswelt noch bekannter und beliebter machen."

Von ihrer magischen Wirkung kann sich nun jeder Besucher selbst überzeugen. Der Chronist und Erzähler Karl August Varnhagen von Ense hat jedenfalls schon am 21. Juli 1858 bei seinem Besuch im Branitzer Schloss in seinem Tagebuch notiert: "Pracht und Geschmack im höchsten Verein!"

Schloss-Musik gibt es noch einmal am Sonntag mit der Lausitzer Pianistin Marie Jäschke um 14.30 Uhr im Musiksaal Schloss Branitz. Werke von Mozart, Chopin, Beethoven und Bartholdy werden erklingen. Eine gute Gelegenheit, vor oder nach dem Konzert, fürstliche Wohnkultur in den gerade eröffneten Salons zu erleben.

Zum Thema:
Schloss Branitz war der Alterssitz von Hermann von Pückler-Muskau (1785-1871). Der exzentrische Gartengestalter und Lebemann begann vor 170 Jahren, rund um das Schloss einen etwa 600 Hektar großen Park anzulegen. Zuvor hatte er in Bad Muskau einen Landschaftspark konzipiert, der seit 2004 zum Unesco-Weltkulturerbe zählt.