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Urlaubs-Sehnsüchte und Erinnerungen

Götz Alsmann begeistert sein Publikum im Amphitheater am Senftenberger See.
Götz Alsmann begeistert sein Publikum im Amphitheater am Senftenberger See. FOTO: Steffen Rasche/str1
Senftenberg. Der Entertainer Götz Alsmann würzt im Amphitheater am Senftenberger See italienische Rhythmen mit Olivenöl und Rotwein. Heidrun Seidel / hsd1

Nach seinen mehrfach prämierten jazz-musikalischen Reisen nach Paris und an den Broadway hat der Musiker und Entertainer Götz Alsmann die Trilogie vervollständigt und in der tausendjährigen Stadt italienische Unterhaltungsmusik der 40er-, 50er- und 60er-Jahre aufgenommen. Die Vorpremiere der am 21. September 2017 erscheinenden CD "Götz Alsmann in Rom" haben Musikfreunde am Sonntagabend im Amphitheater am Senftenberger See begeistert gefeiert.

Brigitte Nitschke ist verlegen. Wenige Minuten vor Veranstaltungsbeginn war die 62-Jährige als 25 000. Besucherin des Senftenberger Amphitheaters im Sommer 2017 ausgemacht und mit einem großen Rosenstrauß beglückwünscht worden. Schon zum fünften Mal in diesem Sommer ist sie mit Ehemann Reiner bei einer Veranstaltung in der Sommerspielstätte der Neuen Bühne Senftenberg. "Wir sind Jahr für Jahr treue Besucher im Amphitheater", berichtet sie. Besonders Kabarett habe es ihr angetan, aber auch gute Musik zieht das Paar an den See. Dass sie seit einem Jahr nicht mehr die Treppen zum Theater erklimmen kann, hindert die Hörlitzerin nicht daran. Rollstuhlfahrer können den Bühneneingang benutzen und sitzen dann in der ersten Reihe. "Das klappt gut", sagt sie. Herkuleskeule, Tom Pauls, Swing mit André Hermlin und am Sonnabend den Kabarettisten Thomas Freitag haben sich die Nitschkes für diesen Sommer bereits ausgesucht. Nun geht es auf musikalische Italienreise mit Götz Alsmann.

Der betritt mit seiner Band die Bühne wie erwartet: Elegant gekleidet, gut sitzende Tolle und vom ersten Ton an sprühender Rhythmus im Blut und in den Beinen. Von "Quando, Quando, Quando" über "Ciao, Ciao, Ciao", "Mambo Italiano" bis zu "Azzurro", das 1968 Adriano Celentano in die Herzen der Frauen und die Charts in Italien, Deutschland oder Österreich gesungen hat, bringt er nicht nur italienischen Rhythmus und Charme auf die Bühne, sondern auch Lebensgefühl, Urlaubs-Sehnsüchte und Erinnerungen. So mag sich mancher in die Zeit versetzt gefühlt haben, in der er mit den Eltern im Wohnzimmer gesessen hat und ein schwarz-weißer, meist ziemlich lauter und dann doch wieder extrem gefühlvoller italienischer Liebesfilm mit Gina Lollobrigida oder Sophia Loren über den Röhren-Bildschirm geflimmert ist.

Jener Eloquenz und Geschwindigkeit in der Sprache kann Alsmann jedenfalls ohne Probleme standhalten. Damit präsentiert sich der promovierte Musikwissenschaftler nicht nur als perfekter Musiker am Flügel - der Steinway ist extra aus Dresden für ihn nach Großkoschen geholt worden - sondern auch als äußerst unterhaltsamer Entertainer, der gern auch mal mit seinem Publikum kokettiert. So behauptet er keck, dass sich die Qualität einer Kulturnation an der Qualität ihrer Schlagerfestivals messen lasse. In Deutschland gibt es keins mehr. Im italienischen Sanremo dagegen werde es Jahr für Jahr zelebriert. Siegertitel aus den 50er- und 60er-Jahren hat Alsmann nun mit eigenen jazzigen Arrangements wiederbelebt.

Der als König des deutschen Jazz-Schlagers und Verfechter der deutschen Sprache bezeichnete Künstler, der auch die amerikanischen, französischen und italienischen Songs seiner nun abgeschlossenen Trilogie in Deutsch singt, reiht nicht einfach nur Titel an Titel, sondern erzählt Geschichten. Davon zum Beispiel, wie die Band an historischer Stätte im traditionellen Tonstudio Forum Music Village in Rom die Songs aufgenommen hat und am Abend in einer Künstlerkneipe mit viel Olivenöl und Rotwein die emotionale Grundlage für die passenden Arrangements gelegt hat. Von den Autoren und Sängern, von ihren künstlerischen Erfolgen, der italienischen Seele und dem Charme der Italiener und ihrer unnachahmlichen Fähigkeit, Komplimente zu machen. Das alles schwingt in den Liedern, die Alsmann durchaus mit Augenzwinkern und Ironie präsentiert, mit, wenn er schmachtend dazu auffordert: "Schau dir den Mond an". Mit Altfrid Maria Sicking an, dem damaligen Zeitgeschmack wunderbar nachspürenden Xylofon, Saxofon und der Trompete, mit Rudi Marhold am Schlagzeug, Ingo Senst am Kontrabass und Markus Passlick, Percussion, hat er wunderbare Musiker an seiner Seite.

"Plansilvester" nennt es Andreas Stanicki, der organisatorische Leiter des Amphitheaters, wenn die 25 000-Besucher-Marke geknackt ist. Der Rekord vom Vorjahr mit mehr als 30 000 Gästen wird in diesem Sommer nicht mehr zu brechen sein, obwohl mit den A-cappella-"Medlz" großes gesangliches Können und mit der Hommage für Udo Jürgens oder Simon & Garfunkel noch gute Musik auf dem Programm steht und es mit "Der Tod" oder den "Machos auf Eis" auch noch viel zu lachen gibt.

Ob es das unstete Wetter war, das gerade im August weniger Besucher lockte oder die aufgrund des frühen Ferienendes ausbleibenden sächsischen Nachbarn, vermag Stanicki nicht zu sagen und hofft: "Vielleicht legen die Gäste ja noch mal zu." Götz Alsmann jedenfalls hat noch richtig Mut gemacht: "Sie haben hier eine tolle Umgebung, ein tolles Theater und ein fantastisches Programm." Und das schien ganz und gar nicht kokettiert.