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| 18:42 Uhr

Kinotipp
Unterhaltsames Superheldinnen-Epos

 Jetzt geht’s zur Sache: Brie Larson als Captain Marvel in einer Szene aus „Captain Marvel“.
Jetzt geht’s zur Sache: Brie Larson als Captain Marvel in einer Szene aus „Captain Marvel“. FOTO: dpa / -
London. In „Captain Marvel“ gibt es einen intergalaktischen Krieg, eine coole Katze und eine umstrittene Titelheldin. dpa

Einige selbst ernannte Filmkritiker brauchten „Captain Marvel“ gar nicht erst anzuschauen, um dem neuesten Comic-Abenteuer aus dem Marvel-Universum ein schlechtes Zeugnis auszustellen. Beim Filmportal „Rotten Tomatoes“ sollen mittlerweile so viele negative Kommentare über den Film und seine Hauptdarstellerin Brie Larson gepostet worden sein, dass die Herausgeber die Möglichkeit abstellten, Filme bereits vor ihrem Kinostart zu bewerten. Denn die Ursache für die heftige und zum Teil unsachliche Kritik war vermutlich Sexismus.

„Captain Marvel“ ist das 21. Superhelden-Spektakel aus dem Marvel Cinematic Universe. Und es ist der allererste Marvel-Film mit einer weiblichen Titelheldin. Oscar-Gewinnerin Larson („Room“) spielt die taffe Airforce-Pilotin Carol Danvers, die die Explosion eines futuristischen Antriebs überlebt, infolgedessen unermessliche Superkräfte entwickelt und zu Captain Marvel wird.

Allerdings hat Danvers bei dem Vorfall zu Beginn der 90er-Jahre ihr Gedächtnis verloren. Als Mitglied des außerirdischen Kree-Volkes, das die junge Frau aufgenommen hat, versucht sie, die wenigen Bruchstücke ihrer Erinnerung von der Erde zusammenzusetzen. Doch auch die mit den Kree verfeindeten Skrull sind an den Details ihrer Vergangenheit interessiert.

1995 kehrt Danvers auf die Erde zurück, wo sie gemeinsam mit dem noch jungen Shield-Agenten Nick Fury (Samuel L. Jackson mit Make-up) versucht, die konfusen Zusammenhänge ihrer mysteriösen Vergangenheit zu ergründen. In Nebenrollen sind Jude Law („Der talentierte Mr. Ripley“) als Danvers‘ Kree-Mitstreiter Yon-Rogg, Ben Mendelsohn („Ready Player One“) als Skrull-Anführer Talos und Annette Bening („American Beauty“) als zwielichtige Supreme Intelligence zu sehen.

Die Handlung des neuesten Marvel-Kinofilms lässt sich nicht konkreter wiedergeben, ohne zu spoilern, also ohne entscheidende Details zu verraten. Denn die Story von „Captain Marvel“ ist raffiniert und sehr wendungsreich. Sie basiert lose auf dem Kree–Skrull-Krieg, einem Handlungsstrang, den Marvel-Experten aus den „Avengers“- und „X-Men“-Heften kennen – und natürlich aus den Comics um „Captain Marvel“, der in den 60er-Jahren übrigens zunächst ein männlicher Superheld war und erst Jahre später von einer Frau abgelöst wurde.

Starke Frauen sind im Marvel Cinematic Universe immer noch klar in der Unterzahl. Scarlett Johansson als Black Widow kommt einem als Erstes in den Sinn, vielleicht Elizabeth Olsen als Scarlet Witch, Danai Gurira als Okoye und Evangeline Lilly als Wasp. Dass Disney und Marvel nun endlich die erste Titelheldin ins Rennen schicken, ist daher eine willkommene, ja überfällige Ergänzung. Ihr Auftritt hatte sich 2018 im Abspann des epischen „Avengers: Infinity War“ angedeutet und wird schon im April in „Avengers: Endgame“ fortgesetzt.

Mit den Vorurteilen, denen „Captain Marvel“ vorab im Internet ausgesetzt war, hat Carol Danvers auch im Film zu kämpfen. Zu schwach sei sie, zu emotional, werfen ihr die Männer immer wieder vor. Doch natürlich behauptet sie sich. Auch Brie Larson nimmt den voreiligen Kritikern – und Internettrollen - den Wind aus den Segeln. Als gleichermaßen übermächtige wie empathische Superheldin macht sie eine gute Figur. Nicht zu verachten: Der 70 Jahre alte Samuel L. Jackson, der an ihrer Seite problemlos als knapp 50-Jähriger durchgeht.

Das optisch ansehnliche Spektakel punktet mit seiner smarten Story, mit witzigen Dialogen und sehr originellem Humor, der nicht nur die Technologie und Gepflogenheiten der 90er-Jahre in einem neuen Licht erscheinen lässt, sondern auch Katzen. Die Katze Goose ist der heimliche Star des Films. Gelungen ist auch der weiblich dominierte Soundtrack mit Instrumentalmusik der Komponistin Pinar Toprak und 90er-Jahre-Hits.

Captain Marvel, USA 2019, 124 Min., FSK ab 12, von Anna Boden und Ryan Fleck, mit Brie Larson, Samuel L. Jackson, Jude Law, Annette Bening

 Jetzt geht’s zur Sache: Brie Larson als Captain Marvel in einer Szene aus „Captain Marvel“.
Jetzt geht’s zur Sache: Brie Larson als Captain Marvel in einer Szene aus „Captain Marvel“. FOTO: dpa / -