Das Prinzip der Gegensätze prägt das ungewöhnliche Ermittlerteam in "Wolfsland - Tief im Wald": Die Konstellation von Butsch Schulz alias Götz Schubert und Viola Delbrück alias Yvonne Catterfeld ist wie bereits im ersten Teil voller Kontroversen. Sie als moderne, akademisch gebildete Kriminalistin, eine Hamburgerin aus gesellschaftlich gehobenen Kreisen. Er ein auf seine Instinkte vertrauender Pragmatiker, ein Lausitzer mit viel Heimatliebe und wenig polierten Umgangsformen. Die heimliche dritte Hauptrolle aber ist die Stadt Görlitz. Mit ihrer facettenreichen historischen Architektur hat die etablierte Filmstadt bereits vielen Spielorten wie New York, Paris oder Budapest ein Gesicht verliehen, blieb aber selbst anonym. Nun kann sich Görlitz als lebendige Kommune in "Wolfsland" erstmals selbst spielen. Die Stadt funktioniert wunderbar als Nährboden für Geheimnisse, sie ist das Revier von Butsch. Für Viola, die aus Hamburg neu in die Stadt kommt, ist nicht nur Butsch ein Geheimnis, sondern der ganze Ort, den sie noch nicht kennt. Hinzu kommen die Gebäude aus der Spätgotik, der Renaissance, des Barocks und des Jugendstils, die man dort gebündelt an einem Ort findet.

Ihr zweiter Fall "Tief im Wald" fordert die Kommissare psychisch wie physisch heraus: Sie haben es mit einem Serienmörder zu tun, der junge, attraktive Joggerinnen nach immer gleichem Muster auf qualvolle Weise tötet. Trotz intensiver Polizeiarbeit suchen Butsch und Viola scheinbar nach einem Phantom. Zugleich drängt sich Violas Noch-Ehemann bedrohlich in ihr neues Leben, der brillante forensische Psychiater Björn Delbrück. Wie aus dem Nichts taucht er wieder in Görlitz auf und versucht, sich im neuen Leben seiner Frau einzunisten. Privat ist Björn Delbrück ein Psychopath und Kontrollfreak, der Viola perfide unter Druck setzt. Mit seinem Fachwissen über Serientäter beeindruckt er aber Kommissariatsleiter Ebertin (schwer zu durchschauen), der ihn unterstützt. Butsch muss derweil mit seiner Rolle als Vater einer Heranwachsenden zurechtkommen.

Er spielt auch im zweiten Teil den gewohnten Stinkstiefel. Misstrauisch, schroff, sarkastisch. Ein einsamer Wolf, der eigenbrötlerisch Alleingänge durchzieht. Viola ist der Gegenpart dazu: modern, blitzgescheit und ein Teamplayer. Eine nach außen unantastbare Frau, und dennoch spürt der Zuschauer ihre Verletzlichkeit. So unterschiedlich die Charaktere, so passend jedoch ihr "Zusammenspiel": Das Spannende wird zwischen den Zeilen erzählt. Es passiert immer etwas unter den Protagonisten, auch wenn es nicht offensichtlich ist. Beziehungen jeglicher Art werden fokussiert. Beide Akteure verbergen ständig etwas: ihre wahren Gefühle und Beweggründe. Viola verbirgt anfangs ihre Unsicherheit, später ihre wahre Seite. Beide sind auf dem Weg, sich gegenseitig zu respektieren, mehr nicht. Noch gibt es viel zu viel Misstrauen, Halbwahrheiten und Unausgesprochenes zwischen ihnen. Optisch gleicht sich Viola langsam ihrem Kollegen an, nachdem sie im ersten Teil noch wie ein Fremdkörper an seiner Seite wirkte.

Bei den Einschaltquoten lag der erste Teil von Wolfsland "Ewig dein" am vergangenen Donnerstagabend auf Platz zwei.