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Unter der Oberfläche

"Amour fou" (Drehbuch Christoph Darnstädt, der auch Schweiger-Tatorte geschrieben hat, Regie Vanessa Jopp) gehört in die Kategorie der besonderen Tatorte. Zu dem Ergebnis muss man kommen, wenn der Abspann läuft.

Zwar lahmt die Handlung ab und an, doch die Stärke des Films liegt in der gesellschaftlichen Relevanz des Themas und vor allem in ihrer Umsetzung. Wie tolerant oder mit Vorurteilen behaftet sind wir eigentlich wirklich?

Da liegt vermeintlich der schwule Gesamtschullehrer Enno Schopper verkohlt auf einer Plastik liege in einem Garten. Der Lehrer, der mit Armin Berlow (Jens Harzer) verheiratet ist, der das Erbe seiner Eltern um die Ecke bringt. Beide kümmern sich um den Jugendlichen Duran wie richtige Eltern, und nicht wie die, die Duran hat. Schopper hat ertragen, dass Schüler vor einigen Jahren sein Auto angezündet haben (Erst die Schwulenkarre, dann der Schwule.) Als behauptet wird, er habe sich in der Umkleide sexuell an Duran rangemacht, wird er vom Schuldienst suspendiert. Die Schulleitung glaubt einem kleinen Schüler mehr als dem schwulen Lehrer. Einen Tag später ist Schopper tot, oder doch nicht.

Der Weg zur Wahrheit ist gepflastert mit tiefen Einblicken in verletzte Seelen. Und er führt auch die Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) auf vorurteilsbehaftete Irrwege und in Wechselbäder der Gefühle. Doch Mord ist Mord. Letztlich aber war alles ganz anders. Liebe und Angst treiben Berlow und Schopper in eine unsägliche Geschichte. Weil die Gesellschaft eben doch nicht so großmütig und freisinnig ist, wie sie gern tut? Amour fou - verrückte Liebe. Rubin und Karow haben den Fall gelöst. Dem Tatort-Team ist es geschickt gelungen, tiefer zu kratzen als nur an der Oberfläche.