Dem "Spiegel" sagte der 88-Jährige: "Wenn ein Autor gern bei Suhrkamp publizieren will, ist es ihm doch egal, ob er dafür nach Frankfurt oder in Zukunft eben nach Berlin reisen muss." Forderungen von verdi Die Gewerkschaft verdi mahnte in einer Mitteilung, die Sicherung der Arbeitsplätze müsse oberste Priorität haben: "Denjenigen Beschäftigten, die nicht mitgehen können oder wollen, muss die Möglichkeit auf einen dauerhaften Arbeitsplatz in Frankfurt/Main zugesichert werden." Suhrkamp beschäftigt derzeit in Frankfurt etwa 130 Mitarbeiter. Der Verlag hatte am Freitag angekündigt, 60 Jahre nach seiner Gründung Anfang 2010 aus Hessen nach Berlin zu übersiedeln. In Frankfurt sollen drei Stiftungen sowie eine Dependance bleiben. Diese dürfe "kein vorübergehendes Trostpflaster sein", verlangte verdi, vielmehr müsse "Frankfurt als gleichberechtigter Verlagsstandort neben Berlin dauerhaft erhalten bleiben". Unseld-Berkéwicz sagte dem Nachrichtenmagazin "Focus": "Das Angebot gefährdet die Arbeitsplätze nicht, im Gegenteil: Alles, was wir hier planen, dient der Sicherheit von Suhrkamp, nicht nur für die nächsten Jahre, sondern für die nächsten Jahrzehnte." In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von Samstag erklärte die Geschäftsführerin, das Haus müsse in einem wirtschaftlichen Umfeld wie dem aktuellen "beweglich sein und Arbeitsplätze nicht etwa wegkalkulieren, sondern sichern": "Das ist eines der zen-tralen Ziele, einer der Hauptzwecke des Umzugs." Ein Grund für dem Umzug, über den seit Wochen spekuliert worden war, waren nach Angaben von Unseld-Berkéwicz die "Solidaritätszeichen Berlins": Nachdem Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) vor drei Jahren ein erstes Angebot gemacht habe, "hielt sein Kulturstaatssekretär auf feine, kluge Weise den Kontakt und machte das Angebot der Stadt just zu einer Zeit konkret, da gegen den Verlag und mich eine schrille öffentliche Diffamierungskampagne stattfand, zuverlässig begleitet von Häme-Ausbrüchen in den Medien", sagte Unseld-Berkéwicz der "FAZ". Muschg geht zu Beck Reich-Ranicki sagte der dpa: "Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Zusammenarbeit mit ihr in Berlin etwas leichter wird als hier." Gleichwohl sei die Entscheidung zur Verlagerung "für Frankfurt eine bedauerliche Nachricht", befand der in Frankfurt lebende Literaturkritiker: "Das wird die Kulturszene in Frankfurt etwas weniger attraktiv machen." Es gebe aber andere bedeutende Verlage in Hessens größter Stadt, etwa den S. Fischer Verlag. Der Schweizer Schriftsteller Adolf Muschg, einer der prominentesten Suhrkamp-Autoren, wechselt unterdessen zum C.H. Beck nach München. Nach 35 Jahren fühle er sich dem Suhrkamp Verlag "nicht mehr zugehörig", sagte Muschg am Montag. Bis vor kurzem saß er als einziger Autor im Stiftungsrat des Frankfurter Verlags. Muschg kritisierte, dass Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz das Gremium über zentrale Fragen des Unternehmens wie zum Beispiel die Übersiedlung nach Berlin nie informiert habe. "Das hätte unbedingt (in den Beirat) reingehört." Schließlich sei mit einem Standortwechsel auch eine Umstrukturierung des Personals verbunden. Suhrkamp hatte am Freitag angekündigt, dass der Verlag mit seinen 130 Beschäftigten Anfang 2010 nach Berlin umziehen werde. Muschg ist aus dem Beirat, der die Unseld-Familienstiftung als Mehrheitsgesellschafter der Verlags beraten soll, bereits im vergangenen November freiwillig ausgeschieden. Jahrelang galt der Schweizer Autor als enger Verbündeter der Verlagschefin. Nach der Machtübernahme im Verlag durch Unseld-Berkéwicz, der Witwe von Verlagspatriarch Siegfried Unseld, war 2003 der alte Stiftungsrat aus Protest zurückgetreten. Er habe dann auf Wunsch der Verlegerin als einziger Autor auch beim neuen Stiftungsrat mitgemacht, sagte Muschg. Sein Ablösung von Suhrkamp bezeichnete er als "langen schmerzhaften Prozess ohne Eklat". Bei C.H. Beck wird das neue Buch Muschgs, der von 2003 bis 2006 Präsident der Akademie der Künste zu Berlin war, voraussichtlich 2010 erscheinen, bestätigte der Verlag. In den Unseld-Beirat rücke für Muschg die Wissenschaftlerin Rachel Salamander nach, sagte eine Suhrkamp-Sprecherin am Montag. dpa/fxk