Es sind zehn neuere Arbeiten, die noch für einige Wochen im "Salon von Schönfeld" des Hotels hängen werden. Dunkel gefärbte, sparsam skizzierte Aquarelle zeigen dörfliche Gebäudeansichten, die Günther Rechn zum Beispiel auf dem toskanischen Colle Massari, wo ein Weingut liegt, entdeckt hat. Der Künstler aus Limberg bei Cottbus konzentriert sich auf das Spiel von Linien, Licht und Schatten, fängt melancholische Stimmungen ein oder auch ungewöhnliche Perspektiven. Kleinere Ölgemälde variieren weitere typische Rechn-Motive. Ein Stier und ein Hund sind darunter, die bevorzugten Tiere des Malers: Sie erscheinen ihm offenbar harmonischer, unschuldiger als Menschen. Am einprägsamsten ist eine Gestalt, die in vorfreudig-lauernder Haltung torero- und harlekinhafte Züge trägt. Die gekonnte, abstrahierende Malweise ist das Gemeinsame dieser Bilder: Die prinzipiell realistisch dargestellten Figuren entziehen sich dem tastenden Auge, lösen sich in ein mehrschichtiges Geflecht aus Farbe auf. Jeder Pinselstrich, jeder Tupfer wirkt so lässig an den rechten Platz gesetzt, als könnte der Maler das auch mit geschlossenen Augen tun. Das Resultat ist Dynamik: Die Figuren scheinen zu zittern, jederzeit in Bewegung explodieren zu können. Mit diesem für ihn typischen Stil gehört Günther Rechn zu den heutigen Ausnahmekünstlern. Seine Malerei atmet aus allen Poren Kunstgeschichte, der Gestus seines Werkes führt Jahrhunderte zurück, nimmt Anleihen etwa bei Goya (auch was Motive betrifft) und Velázquez, die Stimmung dieser Bilder wiederum lässt gelegentlich an die italienische Renaissance denken. Und trotzdem haben sie nichts Alt- oder Retro-Modisches an sich. Günther Rechn flieht auch nicht in eine schöngeistig-harmonische Gegenwelt, wie man angesichts seiner zeit- und gesellschaftsentrückten Themen, angesichts seines toskanischen Rückzugs denken könnte. Er gibt seinem Werk - wie vor ihm Goya - einen beunruhigenden, ja dämonischen (Unter-)Ton, lässt die Schattenseiten des Daseins einfließen. Zusammengestellt wurde die Schau im Hotel "Zum Stern" vom Lausitzer Fotografen Gerd Rattei, der zwei jüngere Porträtaufnahmen beisteuert. Sie halten Günther Rechn eindrucksvoll in seiner gewohnt lässigen Grandezza in seinem Lausitzer Atelier in Branitz fest. Ein Wiedersehen mit einem älteren Rechn-Gemälde bietet dagegen die aktuelle Ausstellung "Voller Leben" im Cottbuser Kunstmuseum Dieselkraftwerk. Es handelt sich um eine Variante des bei diesem Künst-ler häufigen Zweikampfmotivs: ein Paar im erotischen Clinch. Im Dieselkraftwerk trifft man auch auf den "Urlauber mit Zeitung" (1971) von Willi Sitte, und damit auf einen Lehrmeister des Lausitzers. Günther Rechn, der 1944 in Lodz geboren wurde, hat von 1966 bis 1971 auf Burg Giebichenstein, unter anderem bei Sitte, einem Großkünstler der DDR, studiert. Anlässlich seines 65. Geburtstags widmet zudem die Sparkasse Spree-Neiße in Cottbus Günther Rechn eine Ausstellung. Sie wird am 22. April eröffnet.Wenn wir einen Wunsch frei hätten, dann wäre das, dass bald einmal eine umfassende Re trospektive das Werk dieses Malers über vier Jahrzehnte erschließt. Doch zunächst ist es Zeit, ihm selbst etwas zu wünschen: Unlängst hat Günther Rechn in einer Mischung aus Bescheidenheit und Stolz als Altersziel angegeben, er wolle "noch 20 wirklich gute Bilder malen". Viel Vergnügen dabei!