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Und was lesen Sie gerade?

Neuerscheinungen auf der Leipziger Buchmesse.
Neuerscheinungen auf der Leipziger Buchmesse. FOTO: Wolfgang Kluge (Zentralbild)
Cottbus. Zum Start der Leipziger Buchmesse: Eine Umfrage unter Lausitzer Prominenten, welche Lektüre sie derzeit fesselt. Ida Kretzschmar

Ulrike Kremeier, Museumsleiterin im Cottbuser Kunstmuseum Dieselkraftwerk dkw:

Gerade lese ich zum wiederholten Male den 1806 von J.W. Goethe geschriebenen Roman "Die Wahlverwandtschaften". Er ist in seiner Vielschichtigkeit sehr modern, und ich mag seine differenzierten Bilder. Die Geschichte erzählt von einem zunächst gepflegten, aber allzu beschaulichen Alltag einer Ehe, die sich zu einem Fanal des Scheiterns romantischer Leidenschaften, Sehnsüchte und Projektionen entwickelt.

Dies wird mit naturwissenschaftlichen Überlegungen verknüpft. Übrigens: Ich lese Bücher strikt in analoger Form. Ich bin eine große Anhängerin des bibliophilen Buches!

Eine schöne Gestaltung steigert mein Lesevergnügen. Ich gucke beim Arbeiten den halben Tag auf Bildschirme, daher haben meine Augen auch manchmal genug von der digitalen Welt.

Oscarpreisträger Urs Rechn, Schauspieler aus Cottbus:

Ich lese gerade "Hart auf hart" von T.C. Boyle. Und zwar gleichzeitig in Englisch und Deutsch, um auch meine Sprachkenntnisse etwas zu trainieren. Boyle vermittelt in einer sehr männlichen, kräftigen Sprache das amerikanische Lebensgefühl. Die Sichtweise auf Amerika ist ja derzeit durch Trump politisiert. Nach der Oscar-Preisverleihung im vergangenen Jahr habe ich viel mit Amerika zu tun, es gab auch schon Angebote aus Hollywood.

Und so ist auch mein Interesse für diesen Kontinent gewachsen. Lesen ist generell unentbehrlich für mich.

Ich lese im Zug, im Flieger, immer, wenn ich unterwegs bin zu den unterschiedlichen Drehorten.

Lesen bildet den Wortschatz und das Denken, verbindet die Fantasie des Autors mit eigenen Sehnsüchten und Tagträumen.

Der Cottbuser Sänger Alexander Knappe:

Momentan lese ich: "Das Leben der Wünsche" von Thomas Glavinic. Es geht um einen Mann um Mitte 30, dem ein Unbekannter anbietet, ihm drei Wünsche zu erfüllen. Für mich haben sich ja schon viele Wünsche erfüllt, von denen ich nicht mal zu träumen wagte: vor so vielen jubelnden Fans auf der Bühne zu stehen. Aber ich lese das Buch, weil es mit meiner Generation zu tun hat und weil es auch etwas davon einfängt, wie wir ticken. Ich gehöre eigentlich nicht zur klassischen Lesergeneration wie mein Vater.

Aber ich schaffe immerhin drei bis vier Bücher im Jahr. Ich merke relativ schnell, ob ein Buch mich fasziniert.

Tut es das nicht, schnappe ich mir das nächste. Allerdings bin ich kein Fan von E-Books, da fehlt mir das klassische Lesegefühl. Da bleibe ich ein Nostalgiker. . .

Die Spremberger Judoka Mareen Kräh mit Olympia-Erfahrungen:

Ich glaube, der Titel des Buches von Karen Duve "Anständig essen" sagt schon einiges darüber, warum ich es lese. Ich ernähre mich seit meiner beendeten Sportlerlaufbahn nach den Olympischen Spielen in Rio 2016 vegetarisch, und deshalb interessiert mich gerade Bio-Ernährung und bewusstes Umgehen mit der Natur und den Tieren sehr.

Ich bin schon sehr am Nachdenken, wie ich meinen Teil dazu beitragen kann, dass sich die Situation für unsere Nutztiere verbessert.

Das Buch bietet mir die Zusammenfassung eines riesigen Themas. Lesen finde ich wichtig, weil es mir ermöglicht, viele Informationen zu erhalten, die Gedanken des Autors zu erfahren und zu verstehen und sich mittels der eigenen Fantasie eine Vorstellung der Geschichte aufbauen zu können.