Dieses Mal aber lohnt sich das Dranbleiben. Von der ersten Minute an ist klar: Hier wird nicht gepflegte Langeweile zelebriert, hier geht es ans Eingemachte. Unzensiert und ungeschönt, mitten rein ins hässliche Leben. Eine junge Mutter wird am Konstanzer Rheinufer (Überraschung!) tot aufgefunden und ausgerechnet der biedere Perlmann (Sebastian Bezzel) übersieht Hinweise auf ihr Baby, das in der eisigen Dezembernacht abseits im Schilf zurückbleibt. Perlmann leidet an seiner Schuld so glaubhaft, dass die oft enervierend verständnisvolle Klara Blum (Eva Mattes) neben ihm völlig verblasst und genügend Raum lässt für die eigentlichen Stars des Tatorts: eine Gruppe heruntergekommener Obdachloser, die in einer schmierigen Baracke namens "Côte d'Azur" hausen. Elend, ungeschminkt. Abgefrorene Füße, inkontinente Männer, brodelnder Hass zwischen Menschen am Abgrund. Dabei immer wieder herzzerreißend und so spannend, dass sich über einige Ausreißer hinwegsehen lässt. Perlmanns Witze ("Hei, ich bin der Kai von der Polizei") und die völlig überzeichnete Figur eines dekadenten Starmusikers haben den Film nicht nach vorn gebracht.