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Und am Grenzübergang singt Silbereisen

Hans Well & Wellbappn: (v.l): Jonas, Tabea, Hans und Sarah.
Hans Well & Wellbappn: (v.l): Jonas, Tabea, Hans und Sarah. FOTO: Michael Helbig/mih1
Cottbus. Im Großen Haus des Staatstheaters Cottbus ist am Donnerstag das 22. Kabarett-Treffen der Studenten offiziell eröffnet worden. Es war ein spektakuläres Programm mit "Nächstenliebe" und Tilman Lucke sowie "Hans Well & Wellbappn" zu erleben. Peter Blochwitz

Am Tag vor der Amtseinführung von Donald Trump ist der 45. US-Präsident auch Thema bei der Eröffnungs-Gala des 22. Kabarett-Treffens der Studenten in Cottbus. Natürlich! Wo, wenn nicht beim Kabarett! Moderator Thomas Paul Schepansky informiert also die Gäste im Großen Haus des Staatstheaters ("Spreephilharmonie") über einen Tweet von Trump, der das Cottbuser Kabarett-Treffen als "eines der überbewertetsten Festivals der Welt" einstuft. Worauf die von Trump kürzlich als "eine der überbewertetsten Schauspielerinnen in Hollywood" bezeichnete dreifache Oscar-Preisträgerin Meryl Streep prompt den Cottbuser Festival-Macher Andreas Gaber für den Golden Globe vorschlägt . . .

Dem zweiten mächtigsten Mann der Welt, Papst Franziskus, widmen Henning Ruwer und Ben Cohen vom Berliner Kabarett Nächstenliebe ihr Programm "Zwei Päpste für ein Halleluja" - mit Tilman Lucke (Berlin) alias Benedikt XVI. als "Dauerstargast". Auszüge hatten Ruwe und Cohen schon im vergangenen Jahr in Cottbus gezeigt. Damals war es gut, jetzt ist es noch besser, also reif für die Bühne im Großen Haus. Der verschwenderische Bischof Franz-Peter Tebartz-van muss dem aktuellen Papst assistieren, der Thesen an die Tür des Petersdoms schlagen will. Es gibt päpstliche Körperertüchtigung: "Bauch, Beine, Pope", zwischendurch "fünf Minuten Weihraucherpause", es folgt eine herrliche Grönemeyer-Parodie ("Wann ist ein Papst ein Papst") und der "Habemus Papam Style" in Anlehnung an den "Gangnam Style" des südkoreanischen Rappers Psy . . .

Stichwort Korea, Nordkorea, um genau zu sein. Dort ist ja nur eine einzige Frisur für Männer erlaubt, nämlich die des Diktators Kim Jong-un. "Wenn man das jetzt auf die USA überträgt . . . ", sinniert Tilman Lucke, "dann können sich alle Katzen und Eichhörnchen schon mal warm anziehen!"

Spaß und Vernetzungen

Und dann eine Überraschung: Die Village People erscheinen! Indianer, Bauarbeiter, Matrose, Lederkluft-Mann, angeführt von Cowboy Thomas Paul Schepansky, singen und tanzen eine Hommage an die Region: "In der Lausitz" auf die "In the Navy"-Melodie. Erik Franzke, früher bei Störfall aus Hannover, die Burger CAT-stair-Mitglieder Dominik Patté und Stefan Vogt, sowie Schepansky und Lucke: Hier haben sich mal wieder Kabarettisten zusammengetan - ein klassisches Beispiel dafür, wie dieses Festival funktioniert. Es geht nicht um Wettbewerb und Preise, sondern um den gemeinsamen Spaß und Vernetzungen. Siehe auch Nächstenliebe und Lucke.

Außerdem präsentiert das Cottbuser Kabarett-Treffen immer gern wieder neue Akteure. Sechs Teilnehmer der 27 Gruppen und Solisten aus zwölf Bundesländern sind Neulinge. Auch Hans Well & Wellbappn aus München, die den zweiten Teil der Eröffnungsgala bestreiten. Hans Well ist bekannt als Mitglied der mittlerweile aufgelösten Biermösl Blosn, die unter anderen mit Gerhard Polt und Dieter Hildebrandt auftraten. Nun steht er zusammen mit seinen Kindern Sarah, Tabea und Jonas - den Wellbappn - auf der Bühne. Oder anders: Die Kinder lassen den Vater gnädigerweise noch mitspielen. Geige, Bratsche und Kontrabass beherrscht die zweite Well-Generation ebenso wie Trompete, Tuba, Akkordeon, Saxofon, Flöte, Dudelsack, Mandoline, Drehleier, Gitarre. Dazu die Texte Hans Wells: satirisch, bissig bis schwarzhumorig ("Gerechtigkeit muss sein"), höchst vergnüglich.

Merkels Klagelied

Diese Bayern machen sich über Mitmenschen, politische Köpfe, Sachsen, Cottbuser Fußballer und sich selbst lustig. Schwierige Berufswahl: "Ich wollte am liebsten was mit Tieren machen. Bin ich Metzger geworden." Lang erwartet: "Bayern tritt aus Deutschland aus, Uli Hoeneß wird Präsident vom Steuerzahlerbund. Und am Grenzübergang singt Florian Silbereisen - wenn die Flüchtlinge den hören, will keiner mehr einreisen." Angela Merkels Klagelied: "Hört man Reden von Söder, denkt man, es geht nicht mehr blöder. Aber doch, es geht! Wenn der Dobrindt redt!" - "Der Horst kann doch nichts als motzen, wenn ich den hör', kommt mir nur noch das Ko . . . alitionsgefühl."

Tosender, nicht enden wollender Beifall!