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| 16:11 Uhr

Audio-Buch
„Looking for Freedom“ – Hasselhoff als Dauerschleife

 David Hasselhoff – angetreten, um die freie Welt vor dem Untergang zu retten.
David Hasselhoff – angetreten, um die freie Welt vor dem Untergang zu retten. FOTO: dpa-tmn / Jörg Carstensen
David Hasselhoff macht sich selbst zum Retter der Deutschen Einheit Von Bodo Baumert

Hat er nun die Mauern zum Einsturz gebracht oder nicht? David Hasselhoff schien das lange Zeit selbst von sich geglaubt zu haben. „Looking for Freedom“, sein Hit, war 1989 unbeabsichtigt und durch viele Zufälle zum Lied der Wende und des Mauerfalls geworden. Mehr aber auch nicht. Dennoch ist da dieses Image des „Hoffs“, der die Mauer zu Einsturz gesungen hat.

Neue Nahrung bekommt diese Legende durch ein Audio-Buch, das Hasselhoff in den USA aufgenommen hat – und das im Herbst auch in Deutschland auf den Markt kommen soll. Hasselhoff erzählt darin – halb biografisch, halb fiktiv – die Geschichte seiner selbst und eines ihm zum Verwechseln ähnelnden US-Spions namens Nick Harper, der in den Osten Berlins geschickt wird, um eine Atombombe zu finden und entschärfen, die frustrierte Stasi- und KGB-Generäle als Rache für das drohende Ende der DDR zünden wollen.

Klingt billig? Kitschig? Ist es auch. Hasselhoff hat den Verwechslungs-Thriller selbst eingelesen und bietet alles, was man vom „Knight Rider“ erwarten darf: sexy Agentinnen, deren Messer-Attacken er mit seiner Unterhose abwehrt, Verhöre mit Elektroden an den Hoden, Flucht über die Mauer am Drahtseil in luftiger Höhe. Auch Kitt, das sprechende Auto aus „Knight Rider“, darf natürlich nicht fehlen, wenn Hasselhoff zum Opernball aufbricht, um die freie Welt vor dem Untergang zu retten.

Ist das Selbstironie oder Selbstverliebtheit? Wohl von beidem ein wenig. Schon die Werbung, mit der Hasselhoff bei Twitter auf sein Audio-Book aufmerksam macht, verrät viel über das Innenleben dieses US-Stars, der nur in Deutschland als solcher wahrgenommen wird: „The Hoff“ steht halbnackt bis zu den Lenden im Whirlpool, schwadroniert über den Mauerfall und seine Rolle darin. „Fact oder Fiction?“, fragt er.

In einem Interview hat Hasselhoff dann kürzlich zugegeben, dass die ganze Geschichte natürlich nur Fiktion ist. Die Darstellungen des DDR-Alltags seien allerdings „sehr akkurat“. Wirklich? Dann hätte jeder, wirklich jeder, DDR-Bürger 1989 heimlich „Knight Rider“ geschaut. „Looking for Freedom“ wäre in jeder, wirklich jeder, Kneipe in Dauerschleife gelaufen. Und junge Frauen hätten sich nur aus purer Bewunderung des Filmstarts mit ihrem Trabi zu wildem Verfolgungswahn durch Ost-Berlin hinreißen lassen, um ihren Star vor der Polizei zu retten.

Realistischer sind da wohl eher die Einblicke, die Hasselhoff zwischen den Zeilen in seine eigene Biografie gibt, wenn er etwa darüber berichtet, wie er völlig überrascht wurde vom Chart-Erfolg seines ersten Albums „Knightrocker“ ausgerechnet in Österreich. Und wie er dann einfach in diesem fremden Land anrief, um sich selbst als sein eigener Manager auszugeben und eine Tour zu buchen. Irgendwie ist es dann auch schon wieder niedlich, wenn Hasselhoff immer mal wieder deutsche Wortbrocken in den Text seines Audiobooks einfließen lässt. „Schnaps“ fällt erstaunlich oft und klingt ähnlich lustig wie die Versionen von „Hasselhoff“, die Hasselhoff seinen fiktiven deutschen Fans in den Mund legt.

Hasselhoff und die Deutschen, irgendwas verbindet sie einfach, spätestens seit jenem Silvesterkonzert vor dem Brandenburger Tor 1989 – das natürlich auch nicht fehlen darf in diesem Audio-Book.

David Hasselhoff, Up against the Wall, erhältlich über Audible

 David Hasselhoff – angetreten, um die freie Welt vor dem Untergang zu retten.
David Hasselhoff – angetreten, um die freie Welt vor dem Untergang zu retten. FOTO: dpa-tmn / Jörg Carstensen