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Unbändige Leidenschaft sanfter Tonart

Manuel Soubeyrand ist seit 1. September 2014 Intendant an der Neuen Bühne Senftenberg.
Manuel Soubeyrand ist seit 1. September 2014 Intendant an der Neuen Bühne Senftenberg. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Wer ist eigentlich Manuel Soubeyrand? So fragten wir im Oktober 2013, als publik wurde, dass der künstlerische Leiter der Württembergischen Landesbühne in Esslingen neuer Intendant in Senftenberg wird. Heute wird der leidenschaftliche Theatermann 60 Jahre alt. Ida Kretzschmar

Seine Kollegen an der Neuen Bühne finden in ihren Glückwünschen ganz eigene Antworten darauf, wer Manuel Soubeyrand für sie ist.

Und in inzwischen drei Spielzeiten hat er diese Frage den Lausitzern auf seine Weise beantwortet. Er scheute sich nicht, Jahrhundertfragen in Senftenberg zu stellen. Mutig brachte er das Heiner-Müller-Stück "Germania 3" auf die Neue Bühne. Mit "Shakespeares sämtliche Werke" zeigte er seine humoristische Ader. Und er forderte "Brecht auf!" und erwies damit dem "Urvater unseres theatralen Lebens", wie er den großen Dramatiker nennt, seine Verehrung. Beim Liederabend zum Brecht-Spektakel wurde offenbar: Er kann sogar aus vollem Herzen singen.

Irgendwie hat man ohnehin das Gefühl, dass man ihm bei seiner Arbeit ins Herz, ja in die Seele sehen kann. Was er tut, hat mit ihm selbst zu tun. Mit seinen Träumen und Leidenschaften, Fantasie und Wissen, Irrungen und Wirrungen, mit seiner Familie.

Mit seiner Frau Anita Iselin teilt er auch die Liebe zum Theater. Die Schauspielerin war in Senftenberg die Mutter Courage. Sie spielt, inszeniert und bildet Hunderte Kilometer entfernt in Frankfurt (Main) schauspielerischen Nachwuchs aus. Da hält der Mann ihr auch mal selbstverständlich den Rücken frei. Und er weiß längst: Wer eine Frau aus den Schweizer Alpen geheiratet hat, muss auch wanderfreudig sein. Von ihr und den Töchtern Ladina (13) und Nathalie (8) spricht er oft und gern. Er will, dass sie sich wohlfühlen in diesem Ort im Osten Deutschlands, wo die Familie in einem Häuschen sesshaft geworden ist. Ihm selbst ist es wie eine Rückkehr in die Heimat, sagte er zu Beginn seiner Intendantenzeit im September 2014.

Soubeyrand, 1957 in Köln geboren, übersiedelte ein Jahr später mit seiner Mutter Brigitte Soubeyrand in die DDR. Sein Vater war der französische Pantomime Jean Soubeyrand. Auch seine Mutter arbeitete in den 50er- und 60er-Jahren als Pantomimen-Lehrerin und Bewegungsregisseurin, beispielsweise am Berliner Ensemble, wo auch ihr Sohn schon als Schauspielstudent und auch später auf der Bühne stand. Dort lernte sie auch Wolf Biermann kennen, der Manuel Soubeyrands Ziehvater wurde, "der einzige Vater, den ich je hatte", wie der Intendant heute sagt. Seine Mutter war dann eine bekannte und erfolgreiche Theaterregisseurin, die übrigens auch in Chemnitz inszenierte, wo ihr Sohn von 2000 bis 2004 als Schauspieldirektor und Chefregisseur arbeitete.

Mit Heimatgefühlen beschäftigte sich auch des Spektakel zum 70. Geburtstag der Neuen Bühne. Und es gelang, wie in den Aufbruchzeiten im Senftenberger Revier, einen Autor dafür zu interessieren, der Region ein Stück auf den Leib zu schreiben.

Die Nachfolge von Sewan Latchinian anzutreten, der im Herbst 2014 nach zehnjähriger Tätigkeit an das Rostocker Volkstheater wechselte, war eine Herausforderung. Immerhin war unter dessen Ägide die Neue Bühne 2005 Theater des Jahres geworden. Seine dritte Spielzeit hat Manuel Soubeyrand nun mit den besten Besucherzahlen der vergangenen 20 Jahre abgeschlossen.

Von Anfang an drang er darauf, dass jeder im Haus seine eigene Verantwortung wahrnimmt. In einem RUNDSCHAU-Interview verriet er mir lachend: "Einer im Haus soll über mich gesagt haben: ,Kann der überhaupt leiten, der schreit ja gar nicht?'"

Nun, in seiner vierten Spielzeit, ist Manuel Soubeyrand auf der Suche nach dem Urknall Europas, sinnt er, wer hätte das gedacht, auf "Blutmordrache". Und er wird wohl bald ein Landestheater leiten. Das Zeug dafür hat er - und das Herz. Gesundheit ist es, was ihm dafür und für viele weitere kluge und sinnliche Inszenierungen vom ganzen Herzen zu wünschen ist.