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Ultramäßig reingeklickt

Krimi-Kolumne. Woran glaubst Du? So fragt die ARD-Themenwoche, die gestern begann. An "ultramäßige Klicks", war eine der Antworten, die der "Tatort" aus Dresden unter dem Titel "Level X" gibt. Ida Kretzschmar

Manche mögen ihm Fortschrittsfeindlichkeit vorwerfen. Und in der Tat stellt er ein ziemliches Horrorszenario der digitalen Welt auf. Er überzeichnet bis zur Persiflage, beunruhigt, verängstigt. Denn er zeigt in flirrenden Bildern, was in der virtuellen Welt möglich ist: Leute verarschen, Mord im Live-Stream, Polizisten lächerlich machen, eine Vergewaltigung und ein versuchter Selbstmord vor laufender Kamera . . . Unzählige Kids klicken nicht nur ultramäßig rein, gewissenlos sorgen sie selbst dafür, dass der Bär tobt, lachen sich schlapp über die Polizei und merken dabei gar nicht, dass sie selbst betrogen werden. Da hilft nicht mal mehr eine Kindersicherung. Das Thema ist nicht ganz neu im "Tatort". Und doch bekommt es in Dresden vor barocker Kulisse einen zusätzlichen didaktischen Kick, zumal diesmal in Elbflorenz nicht die gängigen Klischees behandelt werden, die schwer auf der Stadt lasten, sondern ein globales Thema. Ein zähes Vorurteil aber sickert schon durch: Die scheinen doch da noch immer hinterm Mond zu leben, dass man ihnen die neuen Medien so haarklein erklären muss. Für Oberkommissarin Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und ihre Kollegin Henni Sieland (Alwara Höfels) ist die Netzgemeinde eine fremde Welt, in der sie schon mal Lehrgeld zahlen müssen. Die Digital-Generation irritiert, narrt und überfordert zuweilen die toughen Frauen. Und Kommissariatsleiter Peter Michael Schnabel (Martin Brambach) brabbelt sogar: "Kann nicht mal jemand das verdammte Internet wieder abschalten?" Also, ich glaube nicht gleich an den unaufhaltsamen Verfall der Gesellschaft, wenn das nicht geschieht. Aber den Glauben an die Zukunft des Dresdner "Tatorts" gebe ich nicht auf.