Ich hatte erwartet, dass ich zeitnah den nackten Hintern von Karow oder Hauptkommissarin Rubin beim Kopulieren zu sehen bekomme. Aber nichts davon. Überraschung eins.

Zur Abwechslung geht es mal vor allem ums Ermitteln. Ja, ganz ohne persönliche Problemchen von Rubin – diesmal denkt sie an Jobwechsel – geht es nicht, aber das und die Schrulligkeiten der Kommissare werden einem mal nicht so ins Gesicht gedrückt. Danke!

Überraschung zwei: Die Geschichte, die auf zwei Gleisen beginnt und am Ende zusammenläuft, greift passend zum Mauerfalljubiläum ein nicht so prominentes Thema auf: Todesstrafe in der DDR. Dass das nicht in die Hose geht, liegt an der gekonnten Beiläufigkeit mit der es auf den Tisch kommt. Kein Zeigefinger.

Mit einer ekelhaften Selbstzufriedenheit und vermeintlichen Überlegenheit verkörpert Otto Mellies den Ex-DDR-Richter Böhnke, der im Tatort vom Opfer eines Raubüberfalls zum Täter wird, um sein einst gesprochenes Todesurteil für einen Dreifachmörder doch noch zu vollstrecken. Toll.

Der Handlanger: Britta Hammelstein – ebenfalls großartig – als psychisch gestörte Liz Holzkamp, die am Ende unerwartet wie eine Furie auf ihren Mann einsticht. Er überlebte den Dreifachmörder, aber nicht seine Frau. Tragisch. Wie Romeo und Julia lautet Rubins Fazit.

Dieser Tatort macht viele Baustellen auf, aber nicht so, dass man stolpert, sondern nachdenkt.  Etwa über Dysmas, einen Verbrecher, der mit Jesus gekreuzigt wurde und bereut.

Überraschung drei: Wie Karow und Rubin sich in die Arme fallen, wie Karow ungewohnt Komplimente schnulzt. Oh nein, jetzt doch noch Sex ... Es wird ein Emotionalus Interruptus. Puh.

In diesem Tatort überzeugen alle Schauspieler, auch die überkandidelte Vermieterin, die mit hohen Hacken durch ein Meer aus Maden stakst und „Hier muss saubergemacht werden“ feststellt, als ginge es ums Staubwischen.

Schade aber: Die Geschichte nimmt nur langsam Fahrt auf und klebt anfangs arg. Und mal wieder grandios nervig: Dass Karow ohne Überzieher wie der letzte Vollidiot auf den Tatort latscht und die Kommissare ohne Handschuhe in Beweisen herumwühlen. Echt jetzt?

Dennoch: Das war der erste sehe

Redakteurin Lydia Schauf hat den Tatort ins LR-Visier genommen.
© Foto: Daniel Schauff
nswerte Berliner Tatort seit Langem.