Frau Noack, erinnern Sie sich noch an die ersten Schüler-Kunst-Tage - wie viel Experiment war dabei?
Zuerst gab es 1997 nur eine Idee und glücklicherweise offene Ohren im Staatstheater, das gerade seine Zonenrand-Ermutigung "Hamlet, Mike, Susi und die anderen - Jugend trifft Theater" vorbereitete. Ich kam mit meiner Idee also gerade richtig. Die Beiträge der Schüler-Kleinkunst-Tage, wie sie damals noch hießen, sollten das Theaterspektakel eröffnen.

In welchen Sparten wurden damals Talente gesucht?
Tanz, Musik und Theater. Die bildende Kunst ist später erst dazugekommen. Gespielt haben wir in der alten Kammerbühne in der Külzstraße, in der wir nur eine Bühne zur Verfügung hatten.

Welche Absicht steckte hinter der Idee, solche Schüler-Kunst-Tage zu organisieren?
Ich wollte, dass die vielen Jugendlichen, die irgendwo in einer Garage mit ihrer Band proben, oder in der Schule Theaterstücke einstudieren, die Möglichkeit bekommen, sich einem breiteren Publikum vorzustellen. Ich dachte, die viele Arbeit muss anders präsentiert werden, als dass man ein-, zweimal im Jahr vor den Eltern spielt.

Es gibt Jahr für Jahr viele Bewerbungen - das Interesse ist offenbar groß, sich im Wettbewerb zu messen und einen der begehrten Pegasus-Preise zu gewinnen.
Wobei sich immer wieder zeigt, dass den Jugendlichen der Wettbewerb gar nicht das Wichtigste ist. Sie sind froh, Gleichgesinnte zu treffen, sich von den anderen inspirieren zu lassen und eine professionelle Einschätzung ihrer Leistung durch die Juroren zu bekommen. Natürlich ist das Preisgeld auch nicht unwichtig. Und manchmal ergibt sich auch eine längerfristige Zusammenarbeit mit Juroren, die den jungen Leuten helfen, die Hinweise, die sie ihnen gegeben haben, umzusetzen.

Wie werden die Teilnehmer ausgewählt?
Wenn die Bewerbungsfrist ausgelaufen ist, schauen Martin Eitner vom Staatstheater und ich, wie viel Spielzeit wir in den drei Tagen zur Verfügung haben und machen aus den Angeboten ein möglichst abwechslungsreiches Programm. Das Publikum kann dann von Bühne zu Bühne ziehen und wird ununterbrochen bespielt.

Woher kommen die jungen Leute?
In diesem Jahr sind insgesamt 331 Mädchen und Jungen dabei. Sie kommen aus Cottbus, den Landkreisen drumherum, aber auch aus Berlin oder Sachsen-Anhalt. Seit Jahren kommt auch ein fester Stamm an Teilnehmern aus Zielona Gora - tolle Musikgruppen und ein Tanztheater, das schon mehrfach ausgezeichnet wurde. In der bildenden Kunst sind sie auch gut vertreten.

Wer sitzt in der Jury?
Profis. Schauspieler und Tänzer aus dem Staatstheater, Musiker, Maler. Sie sind wichtig für die Jugendlichen, die großen Wert auf ihr Auswertungsgespräch legen.

Was war das Überraschendste, was sie in den Jahren erlebt haben?

Spannend für mich waren immer die Brüche, die sich durch die Vielfalt von Kunst ergeben haben: Ein Harfe spielender Konservatoriumsschüler wird abgewechselt von einer Heavy-Metal-Band. Manchmal erwischt man sich auch bei seinen Vorurteilen, wenn ich denen auf der Straße begegnet wäre, hätte ich nie geglaubt, dass die sich vor ein sitzendes Publikum in einem Theater stellen würden. Überraschend ist wirklich die Bandbreite. Im Tanz von Hip-Hop über Streetdance und Showtanz bis zu Klassik. Dadurch bekommt das Gesamtpaket starke dramaturgische Effekte.

Was hat sich in den 20 Jahren verändert?
Verändert haben sich die Themen, die behandelt werden. Der Zeitgeist spiegelt sich in der Kunst. Die vor 20 Jahren auf der Bühne standen, sind inzwischen erwachsene Leute, und für uns ist es interessant zu gucken, ob sie ihren Ambitionen treu geblieben sind. Wenn dann Bands wie "Do I Smell Cupcakes" aus Berlin, die bei uns vor Jahren einen Musik-Pegasus gewonnen haben, immer noch da sind, ist das für uns Bestätigung.

Was ist in diesem Jahr zu erwarten?
Wir haben einen Trend, der eindeutig in Richtung Musik geht, nachdem die Vorjahre in dieser Kategorie eher mau waren. Man merkt, wie sich die Ausdrucksmittel junger Leute immer wieder mal wandeln.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Dass den jungen Leuten, so lange sie Lust darauf haben, eine solche Bühne erhalten bleibt. Das geht nur, wenn Stadt und Land die Schüler-Kunst-Tage weiter fördern, das Staatstheater mit an Bord bleibt, der Förderverein des Theaters und all die anderen Sponsoren weiter an unserer Seite sind.

Mit Bianca Noack

sprach Renate Marschall

Zum Thema:
Aula Wünsche: 2009 war ich noch Abiturientin. Beim Schüler-Kunst-Preis bin ich zusammen mit Kevin Noack aufgetreten. Er spielte Gitarre, ich habe gesungen und Klavier gespielt. Zusammen haben wir einen Pegasus gewonnen. Inzwischen bin ich fast mit dem Musikstudium in Senftenberg fertig. Als Paula Licht & Los Testamentos bin ich mit meiner Band viel unterwegs, so am 3. April beim Kunstmarkt und am 21. Mai auf Gut Geisendorf.Bettina Jantzen, Dramaturgin am Staatstheater Cottbus: 1997 bereiteten wir gerade unsere Zonenrandermutigung vor und hatten die Idee einer Jugendkonferenz. Das traf sich mit der Idee von Bianca Noack, Jugendlichen eine künstlerische Plattform zu schaffen. Bianca und ich sind damals noch zu allen Bewerbern hingefahren, um sie uns vorher anzusehen. Oft haben wir noch Tipps gegeben. Ich kann mich an heiße Debatten erinnern und an Alexandra Wilke, die fantasievolle Mini-Stücke aufgeführt hat. Heute ist sie Regisseurin und inszeniert auch bei uns. mar1