Der Hintergrund: Die mittlerweile zehnte Ausgabe des „Europe in Shorts“ -Programms hat den Fokus Osteuropa und widmet sich speziell den neuen mittel- und osteuropäischen Beitrittsländern der Europäischen Union. Das FilmFestival Cottbus weist seit 1991 seine Kompetenz hinsichtlich der osteuropäischen Kinematographien nach, zuletzt bei seiner 14. Auflage vom 2. bis 6. November 2004 vor 15 000 Zuschauern.

Anfangs noch belächelt
An solche Zahlen war anfangs bei weitem nicht zu denken gewesen. Als Cottbuser Kino-Enthusiasten zu Beginn der 90er Jahre die Augen nach Osteuropa richteten, wurden sie nicht selten sogar belächelt. Im sich vereinigenden Deutschland standen andere Themen und Probleme im Vordergrund als die gesellschaftlichen und somit auch filmischen Umbrüche in den ehemaligen sozialistischen Bruderländern der DDR. Schließlich aber erwies sich Cottbus immer mehr als Brücke für osteuropäische Filme nach Westeuropa. Das Cottbuser FilmFestival bietet längst jedes Jahr im November nicht nur Kinozuschauern und Filmschaffenden, sondern auch einem wachsenden Fachpublikum einen umfassenden Blick auf Tendenzen im osteuropäischen Kino. So führt etwa das filmwirtschaftliche Forum Connecting Cottbus Autoren und Produzenten zusammen, und es schaffen Filme, die erstmals beim Festival in der Lausitz gezeigt werden, den Sprung in deutsche Kinos.
Das nun in Cannes zu sehende Kurzfilmprogramm „Europe in Shorts“ ist eine Initiative der Europäischen Koordination der Film Festivals (ECFF), unterstützt durch das Media Programm der Europäischen Union. Das etwa 90-minütige Programm zeigt Chancen und Schwierigkeiten des kulturellen Aufeinandertreffens in einem sich verändernden Europa. Die "Europe in Shorts" werden auf zahlreichen Mitgliedsfestivals der ECFF gezeigt.
Wie das FilmFestival Cottbus mitteilt, reflektieren die Filme von "Europe in Shorts X" in einer großen Bandbreite künstlerischer Ausdrucksformen das Filmschaffen der mittel- und osteuropäischen Länder seit den gesellschaftlichen Umbrüchen 1990. Die Genrevielfalt der sechs Filmbeiträge dokumentiere die Lebendigkeit des Kinoschaffens der Länder, heißt es weiter. "Europe in Shorts X" werfe „Schlaglichter: anekdotisch, dramatisch zugespitzt, als Animationsfilm oder dokumentarische Reflexion. Die einzelnen Beiträge setzen sich mit individuellen Problemen und gesellschaftlichen Umwälzungen der verschiedenen Länder auseinander“ . Es sind Filmbeiträge aus den neuen EU-Mitgliedsländern Estland, Litauen, Polen, der Slowakei, Slowenien und Ungarn.
Das ungarische Kino steht auch im Länderfokus des diesjährigen Festivals des osteuropäischen Films vom 8. bis 12. November in Cottbus. Aus Ungarn kamen mit „Meteo“ (1991) von András Mész Monory und Ibolya Feketes „Bolse Vita“ (1996) bisher zwei Cottbuser Hauptpreisträger-Filme. Auch im vergangenen Jahr hinterließ das ungarische Kino einen starken Eindruck: Antal Nimróds „Kontroll“ (Kontrolle) gewann den Publikumspreis, den Preis für den besten Debütfilm und den Spezialpreis der ökumenischen Jury. Im Januar dieses Jahres hatte „Kontroll“ , ein Streifen über mysteriöse Vorgänge im Labyrinth der Budapester Untergrundbahn, dann seinen deutschen Kinostart.

Wenn der Finne mit dem Ungarn
Ebenfalls 2005 in Cottbus ausgezeichnet worden war der elfminütige Kurzfilm „Vonaton“ (Im Zug) . Die Arbeit von Barnabás Tóth erhielt den Spezialpreis und ist nun Teil des Programms „Europe in Shorts X“ , das heute im Espace Miramar von Cannes seine Premiere erlebt. Es geht um die Begegnung eines reisenden Ungarn mit einem Finnen, die sich zunächst nicht verstehen. Aber sie haben doch einen gemeinsamen finno-ugrischen Sprach stamm . . . Europa pur.