Seine Verfilmung einer Novelle von Martin Walser ist eine leichte Sommerkomödie, die sich im Laufe der Geschichte zu einer spannenden Analyse langjähriger Beziehungen wandelt.
Ausgangspunkt ist das zufällige Treffen von zwei alten Studienfreunden und ihren Frauen im Urlaub am Bodensee. Was als harmloses Wiedersehen beginnt, entwickelt sich zu einer dramatischen, hochemotionalen Begegnung, bei der tief verborgene Ängste, Sehnsüchte und Verletzungen zutage treten. Gedreht wurde in Überlingen und Umgebung sowie auf dem Bodensee. Nur für einen heftigen Sturm, für den der Wind die Wogen gefährlich hoch aufpeitscht, wich das Team auf einen riesigen Wasserpool auf der Mittelmeer-Insel Malta aus.
Behutsam übertrugen Kaufmann und die Drehbuchautoren Ralf Hertwig und Kathrin Richter die 1978 erschienene Novelle in die heutige Zeit. Im Mittelpunkt stehen Helmut (Ulrich Noethen) und Sabine (Katja Riemann), die seit Jahren ihre Ferien am Bodensee verbringen. Sie haben sich in ihrem Alltag gut eingerichtet. Der ist zwar nicht mehr spannend, dafür aber sehr bequem.
Doch dann taucht Klaus auf - von Ulrich Tukur wunderbar als aufdringlicher Lebemann gespielt, der mit der jungen hübschen Helene (Petra Schmidt-Schaller) eine spannungsvolle Beziehung unterhält. "Es war herrlich für mich, mal so eine richtige Nervensäge zu spielen", bekannte Tukur. Mit seiner unerbittlichen Aufdringlichkeit bringt er das biedere Eheleben von Helmut und Sabine gewaltig durcheinander: Helmut träumt von Helene und von aufregendem Sex, der in seiner Ehe zur reinen Pflichterfüllung verkommen ist. Sabine dagegen entdeckt ihre Gefühle für Klaus, der sich forsch und nervig in ihr Leben drängt. Ganz allmählich fangen die Eheleute an, sich selbst und ihre Beziehung in Frage zu stellen. Bei einem Segeltörn auf dem Bodensee kommt es zu einer dramatischen Wende.
Walsers Geschichte spiele in einer Zeit, in der die sexuelle Revolution gerade Fuß gefasst habe, erklärt Kaufmann. "In die heutige Zeit hätte das so nicht übertragen werden können. Im Film gehe es mehr um Helmut und Sabine und um die Tragfähigkeit einer so langen Beziehung. "Und darüber, wie kann man eine solche Beziehung in der Mitte seines Lebens noch mal aufbrechen oder renovieren oder verändern." Wenn man sich am Ende fragt, ob Klaus und Helene wirklich existiert haben, ist das durchaus beabsichtigt. "Eigentlich sind es Figuren, die aus dem Unterbewusstsein entstanden sind von Helmut und Sabine. Das ist die größte Befürchtung und die größte Hoffnung", erläutert der Regisseur. "Die Erotik auf der einen Seite ist wie eine Art von Hoffnung, und die Bedrängnis und die Zerstörung des Alten ist die gr&o uml;ßte Furcht."
Während das Drehbuch geschrieben wurde, hielt sich Walser zurück. Erst ein halbes Jahr vor Beginn der Dreharbeiten kam er dazu. Bei den Dialogen habe er "dann und wann ein wenig eingegriffen", sagt er. Das Gesamtergebnis hat ihn auf jeden Fall überzeugt. "Es ist ein Glücksfall für einen Autor, dass ein Film selbstständig wird, nicht sklavisch am Buch entlang filmt und ein eigenständiges Kunstwerk wird."
(Deutschland 2007, FSK ab 12, von Rainer Kaufmann, mit Ulrich Noethen, Ulrich Tukur, Katja Riemann, Petra Schmidt-Schaller)