Doch während Altersgenossen wie Jack Nicholson und Clint Eastwood noch eifrig vor und hinter der Kamera agieren, ist Beatty als Filmstar bequem geworden. "Ich arbeite nicht sehr oft, eigentlich habe ich das nie getan", gestand Beatty im Januar bei der Verleihung der Golden Globes, wo der Schauspieler, Produzent und Regisseur eine Ehrentrophäe für sein Lebenswerk einsteckte.
Der charmante Frauenheld, der vor allem bei den Ehemännern seiner Mitspielerinnen gefürchtet war, hat sich inzwischen der Hauptrolle als Vater verschrieben. Er habe sich "geschmackvoll Zeit gelassen", aber nun sei er ganz für seine vier Kinder da, drei Mädchen und ein Junge im Alter von sechs bis 15 Jahren. Lagen ihm über Jahrzehnte hinweg Hollywoods schönste Frauen zu Füßen, so war seiner viel jüngeren Kollegin Annette Bening 1992 die Zähmung des Ehe-Widerspenstigen gelungen.
14 Mal wurde Beatty für einen Oscar nominiert, einmal mit Happy End: 1981 erhielt er den Regiepreis für das Revolutionsdrama "Reds". Bei der Oscar-Gala im Jahr 2000 fügte er noch eine Sonderstatue hinzu, eine Ehre, die er mit Filmgrößen wie Walt Disney, Alfred Hitchcock und Steven Spielberg teilt. Er ist der einzige Filmschaffende neben Orson Welles, der im gleichen Jahr für vier Oscars nominiert wurde, und das gleich zwei Mal: Für "Der Himmel soll warten" (1978) und "Reds", als Regisseur, Produzent, Darsteller und Drehbuchautor.
Als Sohn einer Schauspielerin und jüngerer Bruder des Filmstars Shirley MacLaine war Beattys Weg zur Bühne vorgeschrieben. Nach der Schauspielschule in New York und Auftritten am Broadway wurde er 1960 von Elia Kazan neben Natalie Wood für den Film "Fieber im Blut" verpflichtet. Spielte er in seinem Leinwanddebüt einen sexuell verklemmten Jugendlichen, war es abseits der Dreharbeiten genau umgekehrt, wie Natalie Wood, Leslie Caron, Julie Christie, Diane Keaton, Madonna und viele andere Schönheiten bestätigen können.
In "Bonnie und Clyde" glänzten Beatty und Faye Dunaway als gerissenes Ganovenpaar. Der für die 60er-Jahre ungewöhnlich brutale Gangsterstreifen holte den Oscar als bester Film. Mit "Reds" ließ er sich erneut auf mutiges Hollywood-Projekt ein, das mit drei Oscars bedacht wurde. Doch auch Beatty ist nicht unfehlbar: Mit der Filmkomödie "Ishtar", dem teuersten Flop der Filmgeschichte, landete er 1987 im "Guinness Buch der Rekorde".