Immer wieder suchte Ronald Paris den Rückgriff auf antike Gestalten und Mythen, war von den Dramen William Shakespeares bis zur Dichtung Volker Brauns und Heiner Müllers inspiriert und griff dieses Material für seine künstlerischen Deutungen auf.
Prometheus, Odysseus, Sisyphos, Kassandra, Medea, Ikarus, Iphigenie oder auch König Lear, der von seinen eigenen Töchtern verraten und um den Thron gebracht wird – diese Figuren waren für ihn Metaphern, um menschliche Grundthemen in den gesellschaftlichen Kontext seiner Zeit zu stellen.
Nun ist der Brandenburger Maler und Grafiker Ronald Paris verstummt: Der 88-Jährige starb am Freitag in seinem Haus in Rangsdorf im Landkreis Teltow-Fäming, wo er seit 1985 lebte, wie seine Ehefrau Isolde Paris am Sonnabend mitteilte.

Mit seinen Werken forderte er zum Dialog heraus

Paris’ Bedürfnis war es, sich künstlerisch einzumischen. Durch viele seiner künstlerischen Deutungen forderte er polemisch-trotzig zum Dialog heraus. Er war einer der wenigen Bildermacher, der auf der Suche nach der Wahrheit Lebensraum schonungslos ausleuchtete und die Würde des Menschen mit seiner Kunst verteidigte.
Auch in den Jahren seiner Professur an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein in Halle (Saale) von 1993 bis 1999 versuchte Paris, seinen Studenten diese Überzeugung als künstlerische Grundhaltung zu vermitteln. Zugleich setzte er sich im DDR-Künstlerverband argumentationsstark für die Interessen anderer Künstler wie für die Vielfalt künstlerischer Handschriften ein.
Der 1933 im thüringischen Sondershausen geborene Paris hatte sich vor allem mit Wandbildern einen Namen gemacht. Etwa mit dem Epochenbild „Unser die Welt, trotz alledem“ im Palast der Republik (1975 / 76), das heute dem Deutschen Historischen Museum gehört, oder „Triumph des Todes, Triumph des Lebens“ für das Foyer der Uckermärkischen Bühnen Schwedt.
2013 wurde er im Rahmen des Brandenburgischen Kunstpreises der Märkischen Oderzeitung für sein Lebenswerk mit dem Ehrenpreis des Ministerpräsidenten ausgezeichnet.
Der Maler Ronald Paris im Jahr 2013 vor dem Entwurf seines Wandbildes für das Theater in Schwedt. Sechs Künstler zeigten damals in der Ausstellung "Lebenswerke" in Potsdam eine Auswahl aus dem künstlerischen Gesamtwerk. Paris starb am Freitag im Alter von 88 Jahren.
Der Maler Ronald Paris im Jahr 2013 vor dem Entwurf seines Wandbildes für das Theater in Schwedt. Sechs Künstler zeigten damals in der Ausstellung „Lebenswerke“ in Potsdam eine Auswahl aus dem künstlerischen Gesamtwerk. Paris starb am Freitag im Alter von 88 Jahren.
© Foto: Bernd Settnik / dpa

Ernst Busch malte er 1969 als müden, alten Mann

„Mit Ronald Paris verliert Brandenburg einen bedeutenden Künstler und guten Freund“, sagte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) am Sonntag. „Wir können uns glücklich schätzen, ihn in unserer Mitte gehabt zu haben. Er hat Brandenburg bereichert.“ Paris habe als bedeutender Künstler der DDR und der gesamtdeutschen Gegenwart gegolten. „Die Kunst von Paris war verknüpft mit gesellschaftlichen Fragen, die in seinen Werken wahrhaftig wurden“, betonte Woidke. „Betroffen sein und betroffen machen, das war sein Anspruch.“
1961 zog Paris heftige Kritik der SED-Führung auf sich: Die Darstellung von Arbeitern in seinem Triptychon „Dorffestspiele in Wartenberg“ entsprach nicht der Vorstellung des DDR-Regimes. Zum umfangreichen Œuvre des Künstlers, dessen Werke sich in so bedeutenden Sammlungen wie der Eremitage in St. Petersburg, der Berliner Nationalgalerie und im Dresdener Albertinum befinden, gehören auch expressiv realistische Landschaften in kraftvoller Farbigkeit sowie eindrucksvolle Porträts, darunter von Schauspielerin Inge Keller, Liedermacher Wolf Biermann, Komponist Hanns Eisler, Opernregisseur Harry Kupfer und Theaterregisseur Heiner Müller.
Für sein Porträt von Ernst Busch musste Paris 1969 heftige Kritik einstecken: Das Bild zeigte den Arbeitersänger und Schauspieler als müden, alten Mann.

Paris wollte hinter die Gründe und Abgründe schauen

In seinem mehr als sieben Jahrzehnte gewachsenen Werk sei es Paris „um Grundthemen und Grunderfahrungen (gegangen), die der Mensch zu allen Zeiten macht“, heißt es in einem Nachruf von Gerlinde Förster.
Die Kunstwissenschaftlerin hatte im vorigen Jahr eine Retrospektive des Künstlers im Schloss Biesdorf kuratiert. Paris’ Bilder und baugebundene Arbeiten spiegelten „menschliches Leben als Handeln zwischen Verführung, Glücksverheißung, Liebe und Leid wider“. Er habe „hinter die Gründe und Abgründe seines Tuns“ schauen wollen.
Es sei Paris stets um die Würde des Menschen gegangen, betont Gerlinde Förster und fügt hinzu: „Auch unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen bezog er kritisch Position. Prägnantes Beispiel dafür sind seine Bilder zur Flüchtlingsdramatik im Mittelmeer.“