Darin ist Richard Zabka nun aber wahrhaft ein Meister. Was ihm jedoch manche Leute, speziell in den allmächtigen Ämtern, nicht zugestehen wollen, eben dass er ein Künstler ist, der auf seine Weise Neues und Überraschendes zu schaffen vermag. Sie sprechen ihm eine solch besondere Kunstfertigkeit ab. Und das ist deutlich ein Fehler.

Allein schon der Eintrag eines jungen Neugierigen im gut gefüllten Gästebuch des Lügenmuseums in Serkowitz belegt mehr, als ein Amtsschimmel je begreifen wird. "So etwas will Ich auch könen!" schreibt der siebenjährige Sved auf Seite 132. Und andere, darunter weit gereiste Familien beispielsweise aus Augsburg, Berlin oder Leipzig, sprechen über ihr Entdecken, Staunen, Besinnen, darüber, dass sie immer noch am Rätseln seien. Und sie hätten nie zuvor ein solch fantasievoll aufgearbeitetes Sammelsurium erfahren und wollen auch unbedingt wiederkommen.

Das schon bald vereitelt werden, wenn es tatsächlich (und gegen den Willen des Bürgermeisters) gelingt, den beabsichtigten Verkauf des unmittelbar an der Kötzschenbrodaer Straße gelegenen Gebäudes zu realisieren. Das aktuelle Schild "Zu verkaufen" ist beim Vorbeifahren wahrhaft nicht zu übersehen - man müsste jetzt mit großen Lettern darüber schreiben: Hier logiert erfolgreich das Lügenmuseum!

Schon um 1990 entstand im Brandenburgischen (Babe) eine erste Variante des Lügenmuseums, inspiriert und aufgebaut vom ursprünglich aus Thüringen stammenden Reinhard Zabka. Dieser hat sich nunmehr mit seiner liebenswert und stets anwachsenden Überfülle an kuriosen und ideenreich verwandelten Objekten im Gasthof Serkowitz quasi "eingenistet".

Allein für den Transport brauchte es, wie beim gemütlichen Teetrinken inmitten seiner Schätze von ihm zu erfahren ist, eine ganze Kraftfahrt-"Flottille". Konkret einen Lkw, der mit seiner fragilen "Fracht" zwischen beiden Orten mehrfach hin und her wechselte.

Welche Mühe, das alles wieder aufzubauen, einzurichten, wie viel Arbeit, die unzähligen bewegten Objekte letztlich erneut in Gang zu setzen? Davon kann man sich nur ein Bild machen, wenn man diesen Fantasieort auch tatsächlich besucht, die Deckel der Zauberkisten öffnet, den diversen Geheimnissen auf den Grund geht. Was manche Kinder oder Erwachsene auch gleich zu wörtlich nehmen. Einige bringen übrigens beim Besuch eigene Kuriositäten mit (oder jenes, was sie dafür halten), und so wächst der Bestand auch mithilfe der Gäste stets weiter an.

Als Richard von Gigantikow ist Reinhard Zabka in dieser Region schon längst bekannt. Bereits seit 1999 gehört sein mit vielen Helfern aufgebautes hölzernes Labyrinth auf den Elbwiesen bei Altkötzschenbroda alljährlich zum Finale vom Herbst- und Weinfest. Was ein recht vergänglicher Ruhm ist, denn dieses wird stets zur Freude des Publikums dem Feuer aufgeopfert.

Umso mehr ist zu wünschen, dass sein einzigartiges Lügenmuseum weiter Bestand hat. Zumindest feiert es nun am 21. September schon seinen ersten Geburtstag an diesem Ort. Und Totgesagte leben ja bekanntlich länger. Zahlreiche Gäste haben sich angekündigt. Mit hoffentlich vielen, vielen Geschenken. Vielleicht auch mit Geschichten. Wie jene von Emma von Hohenbüssow, deren ursprüngliche Sammlung von Schreinen aus fernen Ländern der eigentliche Grundstock des Bestandes gewesen sein soll.

Lügenmuseum Radebeul

im Gasthof Serkowitz,

Kötzschenbrodaer Straße 39, 01445 Radebeul,

Kontakt: Reinhard Zabka,

mobil 0176 99025652