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Tolerantes Miteinander

Volontärin Sarah Schieck (l.) und Museumspädagogin Daniela Schüler zeigen das Epitaph für Jacob Engelmann (1553-1620).
Volontärin Sarah Schieck (l.) und Museumspädagogin Daniela Schüler zeigen das Epitaph für Jacob Engelmann (1553-1620). FOTO: dpa
Zittau. Die Rückkehr der restaurierten Bleiglasfenster in die Zittauer Franziskanerklosterkirche steht beispielhaft für das Ende der Sanierung des spätgotischens Baus. Wenn in wenigen Tagen die ersten Teile des Gerüsts abgebaut sind, beginnt für Kunsthistoriker Peter Knüvener, Leiter der Städtischen Museen Zittau, und seine Kollegen die Arbeit mit der Umwandlung in ein Museum. Miriam Schönbach

Parallel zur Sanierung der Klosterkirche für 1,3 Millionen Euro haben die Museumsmitarbeiter die Ausstellung "Ganz anders. Die Reformation in der Oberlausitz" vorbereitet, die am 30. Juli eröffnet wird. Ein halbes Jahr lang wird Reformationsgeschichte an einem Ort erzählt, für den Luthers Thesenanschlag alles veränderte.

Im Mittelpunkt wird eine Kostbarkeit stehen, die sich nur in Zittau in diesem Umfang erhalten hat: der Epitaphienschatz. Dabei handelt es sich um Andachtsbilder für Verstorbene - Kunstwerke aus Holz, Leinwand, Kupfer und Pappmaschee. Sie erinnern an Mitglieder von Zittauer Bürgerfamilien, die die teils übermannsgroßen Tafeln in Auftrag gaben. "Sie spiegeln wider, wie reich einst die Stadt war", sagt Knüvener.

80 Werke aus Renaissance und Barock sind in Zittau überliefert. Für 750 000 Euro wurden zahlreiche von ihnen restauriert. Etwa die Hälfte von ihnen wird bei der Reformationsausstellung und dann dauerhaft in der Klosterkirche präsentiert.

Marius Winzeler, Knüveners Vorgänger in Zittau und heute Sammlungsleiter für alte Kunst in der Prager Nationalgalerie, sagt über diese Kostbarkeit: "Der Zittauer Epitaphienschatz stellt eine Besonderheit dar, da keine vergleichbare Oberlausitzer, sächsische oder mitteldeutsche Stadt und kein Ort in den angrenzenden Ländern Böhmen und Schlesien noch über eine ähnlich umfangreiche Sammlung verfügt."

Besonders ist auch die Reformationsgeschichte der Oberlausitz. Unter einem böhmischen König entstand eine einmalige multikonfessionelle Landschaft, in der die Standesherrn - mangels Präsenz des Königs - über die Religion entschieden. Auch diese Geschichte thematisiert die Reformationsausstellung. Bedeutende Leihgaben runden die Schau ab. So wird das Grüne Gewölbe in Dresden den Nesen-Pokal, ein Trinkgefäß Martin Luthers, zur Verfügung stellen.

Wenn im Mai die letzten Handwerker die Klosterkirche verlassen haben, heißt es Endspurt für die Ausstellungsmacher. "Unsere Ausstellung wird ein faszinierendes Panorama mitteleuropäischer Reformationsgeschichte bieten", sagt Knüvener.