Auch in der Nacht zu gestern, bei der 24. Vergabe der Musikvideopreise live aus der Casinostadt Las Vegas, schockierte die 25-Jährige ihre Fans. Was die Veranstalter als "sehr großen und dramatischen Auftakt" angekündigt hatten, war allerdings ein lustloser, ungelenker Auftritt in Glitzer-BH, Hot-Pants und Stiefeln zu den Tönen ihres neuen Songs "Gimme More". Mehr um die Frisur als um den Takt besorgt, strich Spears ihre blonden Strähnen immer wieder hinters Ohr. Dass ihre Lippenbewegungen mitunter nicht zum Playback passten, war die Krönung des "Comebacks".
Die Komikerin Sarah Silverman holte gleich zum vernichtenden Schlag aus. "Ist sie nicht unglaublich", frotzelte die Moderatorin. "Sie ist erst 25 Jahre alt und hat schon alles erreicht, was sie je in ihrem Leben erreichen wird." Rapper Kanye West meckerte schon vor der Show: "Ich kann es gar nicht glauben, dass sie auftreten wird. Seit Jahren hat sie keinen Hit produziert." Was Spears verpatzte, machte ihr Ex-Freund Justin Timberlake gleich mehrfach wieder wett.
Mit vier Auszeichnungen, darunter als bester männlicher Künstler des Jahres und für die Regie seines Videos "What Goes Around...Comes Around" war er der große Sieger des Abends. Timberlake konnte auch die Trophäe - den sogenannten "Moon Man", einen silbernen Astronauten auf einem Sockel - in der Kategorie "Quadruple Threat of the Year" entgegennehmen. Damit wurden erstmals die Allround-Verdienste eines Künstlers in den Bereichen Musik, Mode, Schauspiel und Tanz honoriert.
Rihanna holte sich mit ihrem Hit "Umbrella" gleich zwei Trophäen für "Monster Single of the Year" und den begehrtesten Preis des Abends, für das beste Video. Shakira und Beyoncé wurden für ihre gemeinsame Aufnahme von "Beautiful Liar" für die "Most Earthshattering Collaboration" ausgezeichnet. Fergie gewann den Preis als beste Künstlerin des Jahres, Fall Out Boy wurde zur besten Gruppe gewählt. In der Kategorie "Bester Neuer Künstler" konnten sich die Gym Class Heroes unter anderem gegen Amy Winehouse und Carrie Underwood durchsetzen.
Hinter und vor den Kulissen flogen die Fetzen. Die seit Jahren verfeindeten Rocker Tommy Lee und Kid Rock, beides Ex-Ehemänner der "Baywatch"-Blondine Pamela Anderson, gingen während der Show mit Fäusten aufeinander los. Timberlake übte offene Kritik an dem Musiksender MTV. "Ich fordere MTV dazu auf, mehr Videos zu zeigen!", sagte der große Gewinner des Abends. Keiner wolle so viele Reality-Shows sehen. Rapper Kanye West wetterte, er werde nie mehr zu der Preisverleihung erscheinen. Der fünffach nominierte Musiker war - wie schon im vergangenen Jahr - leer ausgegangen.