Herr Wiesenberg, wie steht's mit der Aufregung?
Ich glaube, die kommt, wenn die Kids dann draußen sind, und ich nicht mehr eingreifen kann. Ich kenne das von vielen Regisseuren, die sagen: Ich kann mir gar keine Premieren angucken, da bin ich viel zu nervös. Aber da ich ja auch den Pfortendienst mache und hinten noch ein bisschen koordiniere, komme ich gar nicht umhin.

Wie schwierig ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen - im Vergleich zu Erwachsenen?
Es nimmt sich nicht so viel. Weil Schauspieler wie Kinder funktionieren: Einerseits wollen wir immer alles machen dürfen, viele Freiheiten haben und uns von der Regie nicht eingeengt wissen. Andererseits wollen wir die Wurzeln, die Sicherheit haben und wissen: Okay, wir blamieren uns nicht, es wird richtig mit uns gearbeitet. Und wenn man diese Sicherheit hat, kann man auch darüber hinausgehen und sagen, ich probiere mal was Neues aus. Der große Unterschied ist, dass man als Regisseur einen anderen Weg finden muss. Einem Schauspieler kann ich erklären: Pass auf, das und das will ich in der Szene haben, versuch das mal umzusetzen. Mit Kindern kann man nicht so abstrakt reden. Ich bin immer versucht, Umschreibungen zu finden, um zu transportieren, was ich will. Das Schwierige ist die große Altersspanne. Die jüngsten Kinder sind sechs Jahre alt, die ältesten 16, 17.

Was ist die größte Herausforderung bei einer so großen Produktion mit 120 Akteuren?
Das Beglückende an der Sache ist: Es ist sehr, sehr viel Potenzial da, sehr viel Spielfreude, die man nicht kaputtkriegen kann. Die Schwierigkeit liegt darin, dieses Potenzial zu wecken, rauszukitzeln. Es gibt so eine Spanne zwischen: "Mir ist langweilig" und "Mir ist es zu anstrengend". Da die Balance zu erwischen, ist manchmal nicht ganz einfach. Ich bin ja kein Regisseur von Haus aus, auch kein Theaterpädagoge. Ich komme selbst aus dem Jugendklub vom Staatstheater Cottbus, hab' von daher ein bisschen Erfahrung, aber ausgebildet bin ich eben nicht. Also versuche ich mit meinen Schauspiel-Methoden, die Kids zu erwischen. Und das funktioniert ganz gut.

Sie haben auch die Dialogtexte für das Stück geschrieben, bei welcher Figur hat das den meisten Spaß gemacht?
Das kann ich so gar nicht sagen. Was mir aufgefallen ist: Es gibt am Anfang und am Ende jeweils eine Szene, wo Kara mit ihrer Mutter zusammen ist, wo sie ins Bett gebracht wird und am Schluss wieder aufwacht. Und diese Szenen mit der realen Figur der Mutter sind mir schwerer gefallen als die mit dem Sagengestalten. Bei denen gibt es viel mehr Spielraum - anders als bei der mehr oder weniger realen Figur, die keine tollen Fähigkeiten hat, auch nicht irgendwie besonders aussieht, eben kein Fantasieprodukt ist.


Zum Thema:
Kara hat morgen Geburtstag. Sie kann nicht einschlafen, so sehr freut sie sich darauf. Das wird ein toller Tag! Mit Mamadie Sommerrodelbahn hinabsausen, durch den Spreewald paddeln und in einem Heißluftballon über den Tagebau fliegen! Als Kara endlich schläft, entführt sie ein wundersamer Traum ins sagenumwobene Lutkiland zwischen Spreewald und Oberlausitzer Bergland. Das Mädchen möchte so schnell wie möglich wieder zurück nach Hause, doch das ist leichter gesagt als getan . . .