Er galt als geniales Großmaul. Und von seinem Nachruhm hatte er ganz klare Vorstellungen: "Schreiben Sie, daß ich unbequem war und es auch nach meinem Tod zu bleiben gedenke", sagte Bertolt Brecht wenige Wochen vor seinem Tod zu dem Pfarrer und Publizisten Karl Kleinschmidt. "Es gibt auch dann noch gewisse Möglichkeiten", so der Dramatiker. Morgen jährt sich Brechts Todestag zum 60. Mal.

Mit seiner Prophezeiung sollte der dichtende Sozialrevolutionär recht behalten. Bis heute werden Brechts Theaterstücke in aller Welt gespielt, seine Gedichte gelesen und seine Bühnentheorien gelehrt. Brecht ist laut Bühnenverein-Statistik 2014/15 nach Shakespeare und Schiller der meistinszenierte Autor an deutschsprachigen Theatern.

Neben dem antikapitalistischen Singspiel "Die Dreigroschenoper" gehören "Die heilige Johanna der Schlachthöfe" und "Der gute Mensch von Sezuan" derzeit zu den beliebtesten Stücken. "Ändere die Welt, sie braucht es", lautete Brechts Motto. Mit künstlerischen Mitteln kämpfte er für eine gerechte Welt ohne Ausbeutung.

Um Bekanntheit zu erlangen, habe Brecht bewusst die damals neuen Formen Foto und Film genutzt, sagt Stefan Keppler-Tasaki von der Universität Tokio, der an der FU Berlin forscht. "Standen ältere Literaturstars wie Thomas Mann der medialen Welt noch mit einiger Scheu gegenüber, war Brecht der erste geborene Medienprofi des Kinozeitalters."

Die Neue Bühne Senftenberg widmete ihm 2015 das Spektakel: "Brecht auf!"