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| 18:01 Uhr

Theater wird zum Labor

Regisseur Amadeus Gollner (Bildmitte) mit den Darstellern seiner Inszenierung "Drei Mal Leben": Sigrun Fischer (v.l.), Gunnar Golkowski, Laura Maria Hänsel und Oliver Seidel.
Regisseur Amadeus Gollner (Bildmitte) mit den Darstellern seiner Inszenierung "Drei Mal Leben": Sigrun Fischer (v.l.), Gunnar Golkowski, Laura Maria Hänsel und Oliver Seidel. FOTO: Marlies Kross
Yasmina Rezas im Jahr 2000 in Wien uraufgeführtes Stück "Drei Mal Leben" hat am 8. Mai um 19.30 Uhr in der Kammerbühne des Staatstheaters Cottbus Premiere. Regie führt Amadeus Gollner, der in Cottbus vor allem als Schauspieler bekannt ist. Über den besonderen Reiz des Stückes, den Perspektivwechsel und was die Kollegen dazu sagen, gibt er im Interview Auskunft. mar1 mar1

Worauf bezieht sich der Titel "Drei Mal Leben"?
Das Geniale an Yasmina Rezas Stück ist, eine Problemkonstellation in drei unterschiedlichen Varianten und Sichtweisen anzubieten. Ein Ehepaar ist bei einem anderen eingeladen, die beiden Männer stehen in einer beruflichen Abhängigkeit zueinander. Die Aufregung bei den Einladenden ist ohnehin groß und nun kommt der Besuch durch ein Versehen auch noch einen Tag zu früh. Alles, was geplant war, geht schief. In dieser angespannten Situation wirft einer der Männer eine Information in die Runde, mit der man umgehen muss. Wie, dazu gibt es drei unterschiedliche Wege. Mehr möchte ich nicht verraten.

Mit der Chance, beim zweiten Mal klüger zu sein?
Nein, der Schalter wird einfach zurückgedreht. Man schaut, was passiert, wenn die Weichen an einer Stelle anders gestellt werden. Wir haben so eine Art Laborsituation.

In der Premierenankündigung heißt es, die Ehepaare katapultieren sich in galaktische Höhen und in lebenspraktische Niederungen - das klingt sehr dramatisch.
Das ist hochdramatisch. Beide Paare haben mit dem Unternehmen Ehe so ihre Probleme. Erschwerend kommt hinzu, dass es bei dem besuchten Paar ein Kind gibt, und wie im wirklichen Leben hat natürlich jeder der Erwachsenen zur Erziehung eine andere Meinung. Die beiden Männer sind Astrophysiker, beide Frauen verstehen nur bedingt etwas davon - ebenso wie wir Zuschauer - und trotzdem ist es amüsant, den beiden zuzuhören.

Kann man sagen, wie dieser Konflikt die Paare verändert hat?
Das ist schwierig, weil die drei Varianten sehr unterschiedlich sind, von der Autorin sehr fein gezeichnet. Es kommt einer Detektivarbeit gleich, herauszufinden, wo überall Veränderungen stattgefunden haben. Es gibt grobe Abweichungen - Texte, die plötzlich von anderen Personen gesprochen werden. Aber oft sind es auch nur Nuancen. Die Zuschauer können ja versuchen, der Autorin auf die Schliche zu kommen.

Gibt es denn jeweils ein Ergebnis am Ende dieser Feldversuche?
Ja, und es ist nicht immer schön.

Mit Sigrun Fischer, Laura Maria Hänsel, Gunnar Golkowski und Oliver Seidel stehen Sie sonst auf der Bühne - wie ist es, ihnen jetzt als Regisseur zu begegnen?
Ganz wunderbar, weil man sich sehr, sehr gut kennt. Ich habe mir allerdings vorher ihr Einverständnis geholt, dass sie auch mit mir arbeiten wollen. Ich kenne ihre Stärken und wir haben einen sehr direkten Umgang miteinander.

Wenn man Schauspieler ist, führt man dann anders Regie? Gibt man den Kollegen mehr Raum?
Das weiß ich nicht. Mir ist wichtig, dass ich die Dinge, die ich als Schauspieler nicht mag, tunlichst als Regisseur unterlasse. Ich weiß, dass manche Prozesse Zeit brauchen, dass man manchmal einen Umweg gehen muss, um ans Ziel zu kommen. Ich bin darauf aus, viel Eigenes von den Kollegen zu bekommen, möglichst nur der Impulsgeber zu sein. Am Ende muss ich als Regisseur natürlich dafür sorgen, dass alles stimmt.

Unterliegen Sie nicht der Versuchung, zu überlegen, wie Sie die Rolle spielen würden?
Nein, gar nicht. Das ist jetzt meine fünfte Regie und es treibt mich nicht auf die Bühne, um vorzuspielen. Der Perspektivwechsel ist interessant. Manchmal frage ich mich dann schon, was ist jetzt eigentlich so kompliziert an der Szene? Aber ich weiß, dass einzig komplizierte ist, dass man oben steht und es machen muss, während einem unten sonnenklar ist, wie es zu sein hat.

Sehen Sie das Inszenieren als willkommene Abwechslung, oder sind Sie dabei, von da oben nach da unten zu wechseln?
Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich entscheiden müsste. Allerdings habe ich als Regisseur noch lange nicht so viel gemacht wie als Schauspieler. Ich hätte schon Lust, mehr zu inszenieren.

Was hat Sie an "Drei Mal Leben" interessiert?
Dass es eine ausgesprochen intelligent geschriebene Komödie ist mit einer interessanten Figurenkonstellation. Übrigens habe ich die Uraufführung in Wien damals gesehen.

Mit Amadeus Gollner

sprach Renate Marschall

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Als Sonja und Henri darüber streiten, ob ihr Kind zum Einschlafen Äpfel oder Kekse essen darf, stehen plötzlich Hubert Finidori und Frau Ines vor der Tür. Für den Astrophysiker Henri hängt von dem Treffen alles ab. Nach drei Jahren plant er wieder eine wissenschaftliche Veröffentlichung, und nur Huberts Empfehlung kann seine Karriere voranbringen. Der spricht von einem Konkurrenzartikel, der Henris Arbeit schlagartig zunichtemacht. Henri ringt um Fassung, Hubert genießt seine Überlegenheit und Ines bemüht sich um Verständnis, nebenan entwickelt sich das Kind zum Tyrannen und Sonja platzt der Kragen. Ein Desaster, dieser Abend. Aber - er könnte auch völlig anders verlaufen! mar1 Restkarten für die Vorstellung am 12. Mai um 19 Uhr sind noch vorhanden; alle weiteren Vorstellungen in dieser Spielzeit sind ausgebucht. Ticket-Telefon 0355/ 7824 24 24.