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Terroristen in der Platte – Schau mit Draper-Werken

Der Künstler Markus Draper mit seinen Plattenbau-Modellen.
Der Künstler Markus Draper mit seinen Plattenbau-Modellen. FOTO: dpa
Görlitz. Markus Draper ist in Görlitz geboren und aufgewachsen. Sein Vater schuf dort als Stadtplaner Plattenbauten. Der Sohn macht die Vergangenheit zu Kunst- ebenso wie die Gegenwart. dpa/ik

Die in den Neubaugebieten der DDR untergetauchten RAF-Aussteiger, seine Ost-Biografie und den Alltag in der DDR der 1980er-Jahre hat der Künstler Markus Draper in Gemälden, Videos und Drucken verarbeitet. Sie sind ab Samstag unter dem Titel "Inge zu Fuß zur Arbeit" im Görlitzer Kaisertrutz zu sehen. "Es ist meine persönlichste Ausstellung", sagte der 46-Jährige, der als Markus Richter in Görlitz geboren wurde und aufwuchs. "Ausgangspunkt war der Fakt, dass die Aussteiger ausschließlich in Plattenbauwohnungen gelebt hatten und mein Vater als leitender Stadtplaner eben solche Wohnsiedlungen entworfen hatte." Draper hat sieben Plattenbauten ausfindig gemacht, in denen die Ex-Terroristen mit neuer Identität unerkannt lebten. Er hat sie in Metall nachgießen lassen und damit "das Ost-Klischee "DDR-Platte" mit dem Westklischee "RAF-Terrorist" beleuchtet", wie er erklärte. Fotos der Modelle hat er zudem in Reproduktionen der Zeitungsberichte über die Enttarnung der RAF-Aussteiger von 1990 eingefügt. Auch den Versuch des DDR-Bildungsbürgertums, sich mit dem System zu arrangieren, und die daraus erwachsenen Konflikte reflektieren die insgesamt rund 30 Arbeiten. Sie werden bis 31. Januar 2016 gezeigt. Der inszenierte Parcours reicht vom Video eines Backenbrechers zum Zerkleinern von Bauschutt über Gemälde von den protokollartigen Tagebüchern des Vaters - aus denen der Titel der Schau stammt - bis zu malerisch verarbeiteten Set-Fotos der teils in Görlitz erfolgten Dreharbeiten zur Romanverfilmung "Der Turm" und Textseiten aus dem 1990 erschienenen Buch "Der Gefühlsstau" des Psychotherapeuten Hans Joachim Maaz.

Das zeuge vom populären Rückblick auf die DDR und der gleichzeitigen Distanzierung, sagte Draper, der in Dresden studierte und in Berlin lebt und arbeitet. Für ein Begleitbuch interviewte er RAF-Aussteiger Ralf Baptist Friedrich.