Gerade mal 22 Jahre jung, und schon so eine hohe musikalische Reife: Solist Alexi Kenney, gebürtig in Kalifornien, war mit einer echten Stradivari-Violine am Wochenende beim 3. Philharmonischen Konzert im Cottbuser Staatstheater der absolute Star des Abends. Gegeben wurden Samuel Barbers "Ouvertüre zu "The School for Scandal" und sein "Violinkonzert op. 14", im zweiten Teil dann Rachmaninow.

Bei der Ouvertüre zeigt das Philharmonische Orchester häufige Rhythmus-Wechsel. Mal verschleppen die Streicher das Tempo und halten inne, mal setzen die Bläser rassige Momente dagegen. Vom Charakter kommt das Werk eher dissonant daher. Inhaltlich nimmt das Stück die Lebensweisen gehobener Bildungsschichten auf´s Korn. Klatsch und Tratsch, Intrigen und Lügen werden musikalisch in Szene gesetzt. Das geschieht in erster Linie durch lang ausgesponnene Melodien der Streicher, durch die Solo-Oboe im zweiten Thema und durch fragmentarische Klangbilder der Bläser mit häufigen Tempo- und Dynamikänderungen.

Beim Violinkonzert von Barber zeigt dann US-Boy Alexi Kenney sein ganzes Können. Das New England Conservatory hat ihm extra die "Joachim-Ma"-Stradivari von 1714 zur Verfügung gestellt - ein außergewöhnliches Instrument für einen Violonisten, was Verarbeitung, der zu erreichende Klang und der Wert des Instruments anbelangen. Herausragend bei Kenneys Spiel ist das Kokettieren des Solisten mit den Flöten im ersten Satz oder das geschickte Verlagern einiger Solopassagen von ihm auf das gesamte Orchester. Technisch brillant ist seine Darbietung, zart auf der einen, forsch auf der anderen Seite. Wie aus einem Guss präsentiert Kenney den zweiten Satz, kein Ton ist überflüssig, keine Phrasierung fehlt. Zur Höchstform läuft er dann im mit "presto" überschriebenen dritten Satz auf: Unaufhaltsam peitscht er die Orchestermannschaft vor sich her, ohne aber die Grundrhythmen zu verlassen. Beide Seiten - Solist und Orchester - harmonieren im Zusammenspiel exzellent. Das Publikum ist begeistert, es gibt minutenlangen Applaus für Kenney, und er dankt es mit einem kurzen Tango von Astor Piazzolla. Spätestens hier ist jedem im Saal klar: Ihm gehört eine ausgezeichnete Zukunft innerhalb der Streicherzunft.

Der zweite Teil des Konzerts steht im Zeichen des russischen Komponisten Sergej Rachmaninow. Dirigent Evan Christ hatte sich für die Sinfonie Nr. 2 e-Moll op. 27 entschieden. Eine gute Wahl. Bis heute gilt die 2. Sinfonie von Rachmaninow als sein bedeutendstes Orchesterwerk. Sie entstand 1906/1907 während eines längeren Dresdenaufenthaltes des Komponisten. Die Uraufführung fand im Januar 1908 in Sankt Petersburg statt und wurde von Rachmaninow selbst dirigiert.

Großdimensionierte, raumgreifende Themen bilden das orchestrale Epizentrum, das von lyrischen, bisweilen "süßlichen" Tonfällen durchbrochen wird. Vor allem aber fehlt es der Sinfonie niemals an Feuer, was die Musiker hervorragend umsetzen. Der zweite Satz wird durch ein fast pausenlos daherkommendes stürmisches und mitreißendes Hauptthema durchzogen. Eine Stärke des Orchesters an diesem Abend sind außerdem die aufgezeigten variablen Klangfarben: eine durchdachte Mischung einzelner Instrumentengruppen. Die Soli der Holzbläser sind besondere Glanzlichter in dieser Sinfonie, wie zum Beispiel das lyrische und scheinbar endlose Klarinettensolo im dritten Satz. Feurige Effekte liefert der gesamte Orchesterapparat im finalen Satz. Evan Christ mal wieder in seinem Element: Er stürzt sich mit wilder Gestik in einen furiosen Schlussspurt, der mit einem Donnerhall abreißt.