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Tatort-Kolumne: Strudel aus Angst und Vorurteilen

Fast zu spät: Komissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) kommt seinem Kollegen Max Ballauf zur Hilfe.
Fast zu spät: Komissar Freddy Schenk (Dietmar Bär) kommt seinem Kollegen Max Ballauf zur Hilfe. FOTO: ARD (LR-COS-REM-323)
Köln/Cottbus. Eine Bürgerwehr, die sich „Wacht am Rhein“ nennt, patrouilliert in ihrem Stadtteil und löst Probleme mit Flüchtlingen auf ihre Weise. Der Tatort greift die Ereignisse der Kölner Silvesternacht auf. Beklemmend, sehenswert und mit jeder Menge Zündstoff. Rüdiger Hofmann

Da ist die Mutter, die sich kaum noch allein auf die Straße traut und sich in der eigenen Stadt unsicher fühlt. Da sind die Rechtspopulisten, die das latente Angstgefühl in der Bevölkerung für ihre Zwecke ausnutzen. Da ist der Teil der Bevölkerung, der davor warnt, alle Flüchtlinge über einen Kamm zu scheren.

Ähnlich vielschichtig dargestellt wird die Situation der Menschen mit ausländischen Wurzeln: der illegal in Deutschland lebende Nordafrikaner, der Straftaten begeht und keinen Respekt vor der Polizei hat. Der Ladenbesitzer, der aufgrund seiner Abstammung plötzlich komisch angeguckt wird. Der Student, gegen den sich die Wut entlädt, weil er zur falschen Zeit am falschen Ort ist.

Auch die Kommissare Ballauf und Schenk können sich diesem Strudel aus Vorurteilen und Halbwahrheiten kaum entziehen und haben Mühe, einen klaren Blick zu behalten. Es gibt in diesem Tatort keine einfachen Antworten. Jeder ist Opfer und Täter zugleich.

Besonderes Schmankerl: Zum ersten Mal ist Klaus Doldinger, Komponist der "Tatort"-Titelmelodie, in einer Gastrolle zu sehen. Der 80-Jährige mimt in einer kurzen Szene einen Straßenmusiker.