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Krimi-Kolumne - der Tatort im RUNDSCHAU-Visier
Huch, eine Mini-Lindholm

Ist schon ein bisschen gespenstig – da steht die Frau Lindholm, sichtbar etwas angeschlagen, plötzlich vor ihrem Spiegelbild. Das wiederum ist jünger, etwas weniger angeschlagen und hat – das ist nahezu unverschämt – auch noch recht. Charlotte Lindholm war am Sonntag zum 25. Mal im Tatort zu sehen. Dem besorgten Fan schießt es gleich durch den Kopf: Ist das etwa der Anfang vom Ende für Maria Furtwängler? Ersetzt ihr glattgebügeltes Spiegelbild die erfahrene Kommissarin?

Zumindest offziell sieht es noch nicht danach aus, als würde Lindholm bald in Rente gehen. Das wäre auch angesichts der Leistung ihrer Darstellerin am Sonntagabend wirklich schade. Gut, ob man unbedingt dabei zusehen will, wie sich die „Partymaus Lindholm“ zwischen zwei Autos hockt, weil sie nicht so lange in der Toilettenschlange stehen will, sei mal dahingestellt.

Als es aber nicht mehr ums verzweifelte Feiern der Kommissarin ging, sondern um den Entführungsfall Holdt, nahm der Tatort richtig Fahrt auf. Großartig: Aljoscha Stadelmann, der verzweifelte Ehemann, der vielleicht doch gar nicht so verzweifelt war – oder eben doch. Zumindest hängt er am Ende ziemlich verzweifelt von der Decke, was wiederum die Kommissarin verzweifeln lässt, bis alle so verzweifelt sind, dass der Film dichter und dichter wird und sich jenseits der Mattscheibe ebenfalls ein beklemmendes Gefühl einstellt.

Das ist schon gar nicht mehr so leicht, so etwas mit einem TV-Film zu schaffen. Insofern: Großes Kompliment an die Regisseurin, die – man will es kaum glauben – mit dem Tatort erst ihren dritten Langspielfilm abgeliefert hat. Hochachtung. Und Frau Lindholm: Erholen Sie sich bitte schnell, wenn’s so bleibt wie am Sonntag wollen wir noch viel sehen.