Mensch Moritz – deine Laune war aber auch schon mal besser. Mit Mundwinkeln, die der Schwerkraft nicht mehr standhalten, tappst – oder vielmehr stampft – Moritz Eisner durch diesen Tatort aus Österreich. Irgendwie braucht’s das wahrscheinlich, damit die bierselige Stimmung mit dem Ex-Kollegen und jetzigen Revierpolizist noch deutlicher zur Geltung kommt.

Wir haben uns ja schon daran gewöhnt, dass Eisner emotional in etwa so viel drauf hat wie eine Konservendose, die Drehbuchschreiber haben es in diesem Tatort allerdings ein wenig übertrieben mit der Missstimmung.

Daniel Schauff Photographer: Tian - tians-bilde
© Foto: Photographer: Tian - tians-bilde

Sei’s drum. Gut war er, der Tatort aus dem Nachbarland. Die Landschaftsaufnahmen hätten ebenso gut aus einem Rosamunde Pilcher-Film stammen können, aber wenn’s da in den Bergen nun mal schön aussieht, dann sieht’s eben schön aus.

85 Minuten Spannung und die Frage: Grässlich oder nicht?

Umso grässlicher, was hinter den Fassaden der schmucken Berghäuser geschieht. Denkt zumindest der Zuschauer über geschlagene 85 Minuten und entwickelt eine Sympathie zum etwas behäbig wirkenden Revierpolizisten, der scheinbar – aber eben auch nur scheinbar – seinen hochdotierten Job an den Nagel gehängt hat, um jetzt im Alpenpanorama zu ermitteln.

Nein, so grässlich war das nicht, was da tatsächlich passiert ist. Ein Unfall. Totschlag im Affekt. Dafür sind Bibi und Moritz tatsächlich eigens angereist und müssen sich auch noch selbst um die passende Bleibe kümmern?

Ich hätte jetzt gedacht, bei so hochrangigen Ermittlern gäbe es jemanden, der das für die beiden erledigt.

Auch das nur eine Randnotiz. Witzig – übrigens das auch nur eine Randnotiz – dass die Tatort-Macher auch mal eben das sehr aktuelle Thema Umwelt bedenken, indem sie den Hauptverdächtigen zum Umweltaktivisten machen. Angenehm war da, dass es keine Bewertung von Umweltaktivismus gab. Ihn gibt’s – fertig.

Tatort aus Österreich: Was hat der Dorfpolizist gemacht?

So richtig überraschend war es dann am Ende auch nicht, dass Alois Feinig – der liebenswerte Dorfpolizist mit den asiatischen Lebensweisheiten – selbst etwas mit dem Todesfall zu tun hatte, dabei geholfen hatte, die Leiche verschwinden zu lassen. Lustige Idee: Das Schultergelenk. Immerhin feuerfest.

Wer eine solch große Rolle in einem Tatort spielt und so aufwendig vorgestellt wird, plötzlich so dick mit dem Hauptobersuperkommissar ist, der ist immer Täter. Ein bisschen enttäuschend für Moritz – aber immerhin ein Grund, auch weiterhin die Mundwinkel hängen zu lassen.

Was den Tatort dann am Ende wirklich sehenswert gemacht hat, war vor allem die Regie, die die doch einigermaßen flache Story vernünftig, dicht und nicht einmal langweilig inszeniert hat. Bravo, Nikolaus Leytner, der mit „Baum fällt“ seinen zweiten Tatort aus Österreich abliefert.

Ganz zu Beginn war es fürs hochdeutsche Ohr noch ein wenig schwierig, dem Schmäh zu folgen, das allerdings ist zumindest mir tausendmal lieber als die hölzerne Synchronisation, unter der die Zuschauer bei Schweizer Tatort-Folgen leiden mussten (und wohl auch in Zukunft leiden müssen). Nein, so ein bisschen österreichisch hat gepasst – zum mürrischen Moritz, zum knackigen Kärnten, zu diesem Sonntagskrimi insgesamt.

Fazit: Ein ordentliches Stück Film, das zwar nicht überrascht, aber unterhält. Schön, dass die Österreicher da fast immer so zuverlässig sind.