ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 14:52 Uhr

Deutsch-sorbisches Theater Bautzen
Fantasie der Füße in der Musik der Träume

Tänzer der Landesbühnen Sachsen interpretieren Tango Piazzolla. Foto: Hagen König
Tänzer der Landesbühnen Sachsen interpretieren Tango Piazzolla. Foto: Hagen König FOTO: Hagen König
Bautzen. Tango Piazzolla heißt das aufwühlende Tanztheater von Carlos Matos, das am Deutsch-sorbischen Volkstheater Bautzen für Magie sorgt. Von Ida Kretzschmar

Barfuß kommen die Tänzerinnen und Tänzer auf die Bühne. Ihre Bewegungen verströmen Sehnsucht, Einsamkeit und Verlorenheit. die Suche nach Nähe und Berührung in berührungsarmer Zeit. Ihr Tanz verschmilzt mit dem Klagelaut des Bandoneons, mit der aufwühlenden, energetischen Musik Astor Piazzollas, des großen Erneuerer des Tangos.

Carlos Matos, der seit September 2013 Chefchoreograf der Landesbühnen Sachsen ist, hat diese entfesselte Musik zu einem Abend der zerbrochenen Träume inspiriert. Knisternde Erotik, beinahe eine orgastistische Teufelei, wie der Tango in seiner Frühzeit von Jorge Luis Borges bezeichnet wurde, verliert sich augenblicklich in energiegeladener Rivalität. Revierkämpfe wurden einst in den Rotlichtvierteln von La Boca im Hafen von Buenos Aires geführt. Die Kulisse erinnert an dieses Viertel mit seinen blechernen Behausungen, nur sind diese hier nicht bunt wie im Original, sondern grau, die Tristesse unterstreichend.

Die Tänzer suchen und verlieren sich, wachsen förmlich in den Himmel, liegen am Boden., stehen wieder auf, getrieben von der ewigen Sehnsucht nach dem Glück und einer Musik der unerfüllten Träume.

Wer diesen Tanz in seiner ursprünglichen Form sucht, wird ihn hier nur ansatzweise finden. Die Tangokleider freilich scheinen geradewegs aus Buenos Aires hierhergeflattert zu sein. Tango aber ist nicht nur ein Tanz. Er ist ein Gefühl. „Er beginnt mit der Phantasie und gleitet hinunter in die Füße. Er verlangt nur Respekt vor dem Takt“, beschreibt es der Tangopoet León Benarós.

Und so wird der Tango Nuevo Astor Piazzollas vom Ballett der Landesbühnen Sachsen mit expressiven Mitteln der modernen Klassik interpretiert. Genau wie der argentinische Komponist, der verwegen Grenzen überschritt und dem traditionellen Tango aus den Hafenvierteln des Rio de la Plata neue Farben hinzufügte, ihn um Elemente der klassischen Moderne und des Jazz erweiterte, ist auch hier die Suche nach neuen Ausdrucksformen in Zeiten zunehmender Orientierungslosigkeit spürbar. Am Ende gibt es dafür viel Applaus und anerkennende Pfiffe.

Bettina Richter (53) aus Ebersbach ist begeistert: „Eine tolle Umsetzung des Tangosthemas, hocherotisch und aggressiv, dann wieder voller Sanftmut. Gegensätze, die sich vereinen.“ Ihr Begleiter Heiko Hetzer (52) aus Bautzen fügt hinzu: „Mich beeindruckt, wie Astor Piazzolla sich einfach über die feststehende Tangotradition hinweggesetzt hat. Und diesen Erneuerungsmut finde ich auch an diesem Ballettabend wieder.“

Die nächsten Vorstellungen im Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen: 16. November, 19.30 Uhr, 19. November, 15 Uhr