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Szenische Installation zum NSU-Prozess im Theater Bautzen

Bautzen. "Offener Prozess": Eine theaterübergreifende deutschlandweite szenische Installation der Münchner NSU-Prozessprotokolle gibt es am 4. November um 19.30 Uhr im Burgtheater Bautzen. Peter Blochwitz

Seit dem 6. Mai 2013 läuft im Münchner Oberlandesgericht der Prozess um die zehnjährige Mordserie des "Nationalsozialistischen Untergrundes" (NSU). Dabei zeigt sich, dass der NSU mit Morden, Bombenanschlägen und Raubüberfällen ein Netz rechter Gewalt über die Bundesrepublik gezogen hat.

Zum Jahrestag der Aufdeckung des NSU-Komplexes verbinden sich anhand dieses Netzes die Bühnen der Städte Nürnberg, Chemnitz, Zwickau, Jena und Bautzen in einer per Video livegeschalteten zeitgleichen Lesung der Prozessprotokolle.

Strukturen hinter dem NSU

Am 4. November, dem Jahrestag der Aufdeckung des NSU, wird im Bautzener Burgtheater dieses besondere Projekt zu erleben sein. "In einer deutschlandweit theaterübergreifenden szenischen Installation soll die gemeinschaftliche Auseinandersetzung mit den Verbrechen des und den Strukturen hinter dem NSU befördert, gezeigt und gleichzeitig dem kollektiven Vergessen entgegengearbeitet werden", teilt das Theater Bautzen mit.

Am 4. November wird in den Städten Chemnitz, Zwickau, Nürnberg, Jena und Bautzen eine simultane, szenische Lesung der Münchner Prozessprotokolle - "Offener Prozess" - veranstaltet. In allen Städten wird die Lesung zur selben Zeit stattfinden, und per Videobeamer werden die anderen Spielstätten dazugeschaltet. Obwohl Bautzen nicht von den Verbrechen des NSU betroffen war, beteiligt sich das Deutsch-Sorbische Volkstheater an der Aktion. Denn die Krawalle der vergangenen Monate in Bautzen zeigten, dass rechtes Gedankengut und latente Ausländerfeindlichkeit in der Stadt präsent sind. Damit soll ein künstlerischer und gesellschaftlicher Impuls in die Debatte gebracht werden und die Kontinuitäten von Rechtsextremismus in Sachsen thematisiert werden.

"Was ist unsere Rolle?"

"Wir alle sollten uns fragen, was ist unsere Rolle und welche gesellschaftlichen Strukturen führen dazu, dass solche Taten wie die NSU-Morde oder Krawalle wie in Bautzen passieren und weiterhin wahrscheinlich sind. Wenn wir schweigen, erzeugen wir eine Normalität, die menschenfeindliche Taten erst ermöglicht. Mit Bewusstsein über Probleme und Empathie für die Betroffenen können wir unsere Gesellschaft tatsächlich weltoffener gestalten", sagt Franz Knoppe, Projektleiter des Theatertreffens "Unentdeckte Nachbarn", in dessen Rahmen die Lesung in Bautzen stattfinden wird.

Die Lesung wird simultan online übertragen, alle teilnehmenden Theater sind überall sichtbar.

Mit Julia Klingner, Lutz Hillmann, Thomas Ziesch, István Kobjela, Torsten Schlosser, Petra Maria Wenzel, Jan Mickan.