Auf einem Hotel-Bett sitzt Axel (Till Demuth) und wartet auf seinen Kumpel Malte. Was hat er mit dem für tolle Trips erlebt! Axel kommt ins Erzählen: Ecstasy, Speed, Koks, Pilze - alles durchprobiert, die coolsten Reisen gemacht, immer wieder genial abgehoben, alles blau, klar und endlos weit! Gut, manchmal gab's so Panik-Attacken, aber da wurde eben wieder was eingeworfen. Jawohl, eine Party ohne Ende!
Es stellt sich im Verlauf des einstündigen Monologs heraus: Axel hat Angst vor der Realität. Nimmt Drogen. Hat noch mehr Angst. Und Angst vor der Angst. Immer wieder Halluzinationen: „Die Flaschen im Regal fletschen die Zähne und singen ein Lied!“ Sieh doch, ist die Straße jetzt nicht direkt vor dem Fensterbrett, sodass man raustreten könnte„ Freund Malte hat stets die Drogen besorgt, „Malte synthetisierte Träume“ . Irgendwann springt der aber in seine Kaffeetasse . . . Aber wo bleibt er jetzt eigentlich, sie waren doch hier verabredet, oder nicht“ Axel wartet und erzählt weiter und weiter. Es wird deutlich, dass sein Realitätsverlust verheerend ist. Er erfindet Realitäten, flüchtet von einer in die andere, ist in einem Sog, dem er nicht mehr entrinnen kann, zumindest nicht aus eigener Kraft. Und es stellt sich heraus: Axel hat sich schuldig gemacht, weil für ihn Verantwortung nicht existierte.
Das Stück verhandelt, weiß Regisseurin Gisela Kahl, „ein sehr reales Thema, auch in kleineren Städten wie Senftenberg. Das Einstiegsalter geht ja immer weiter runter. ,Alles Blau' deckt sowohl die Verlockungen als auch die Gefahren auf. Man rutscht da ja schnell rein, langweilt sich, da kommt die erste Pille. . .“ Darsteller Till Demuth ergänzt: „Es ist doch auch so einfach. Die meisten Dinge im Leben sind schwer, aber Drogen sind so einfach zu haben, es ist so leicht, sich damit schnelle ,Erfolgserlebnisse' zu verschaffen.“
„Alles Blau“ kommt ohne Holzhammer-Pädagogik aus, nur so kann es funktionieren. Autor Tim Staffel, der es 2003 als Auftragswerk der Landesbühnen Sachsen geschrieben hat, ist Jahrgang 1965 und wird zu den Literaten der „Generation Golf“ gerechnet. 1998 erschien sein erster Roman „Terrordrom“ , es folgten „Heimweh“ (2000) und „Rauh faser“ (2002). Seine Stücke werden an vielen deutschen Theatern gespielt. Mit „Alles Blau“ hat er eine „absolut realistische Geschichte“ konstatiert Till Demuth. „Ich wollte immer mal so ein Stück machen, weil ich selber solche Erfahrungen habe. Es gibt viele Stücke zu dem Thema, die nicht gut sind. Aber dieser Autor kennt sich offenbar sehr gut aus.“
Die Folgen des Drogenkonsums sind tatsächlich äußerst plastisch beschrieben und dargestellt. Gisela Kahl: „Man kann Broschüren zu diesem Thema lesen, so oft man will, aber hier wird's eben sehr sinnlich erfahrbar. Das ist gutes Material für einen guten Schauspieler.“

„Alles Blau“ : Premiere heute, 20 Uhr, Probebühne Shakespeare.
Nächste Vorstellungen morgen, 20 Uhr, 13. Februar, 19.30 Uhr, 5. März, 10 Uhr.
Ticket-Telefon: 03573/801 286.