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Suters rosa Rüsseltier

FOTO: Verlag
Man stelle sich Benjamin Blümchen vor. Nur viel kleiner und ohne dessen Sprachbegabung. Thomas Burmeister

Dafür aber in der Dunkelheit rosarot leuchtend und mit allen Eigenschaften eines ganz normalen Elefanten. Einschließlich der Fähigkeit, mit den Ohren zu wedeln, den Rüssel als Trompete zu benutzen und jede Menge Dungfladen von sich zu geben. So ein Wesen ist Sabu, die zauberhafte Hauptfigur des jüngsten Romans von Martin Suter. "Es war ein winziger Elefant, höchstens vierzig Zentimeter lang und dreißig hoch", beschreibt der Zürcher Erfolgsautor seine Gedankenschöpfung. "Er besaß die Proportionen eines Jungtieres und die Haut eines. . . eines Marzipanschweinchens!" Sabu ist das wunderbare, aber auch beängstigende Zufallsprodukt gentechnischer Experimente. Der von Ehrgeiz und Habgier besessene Forscher Roux, eine Art moderner Frankenstein, will mithilfe der chinesischen Genindustrie eine Weltsensation schaffen und mit maximalem Gewinn vermarkten: Tiere, die in spektakulären Farben leuchten und als lebendes Spielzeug für gelangweilte Millionärskinder verkauft werden können. Hollywood-tauglich!

Martin Suter: Elefant. Diogenes Verlag, 352 Seiten, 24 Euro