Allerdings gibt es auch Spielverderber. "Diese Schweine", schimpfte Bürgermeister Oscar Goodman. Denn einer der Höhepunkte der gigantischen Party, der kostenlose Auftritt der Rockband Red Hot Chili Peppers vor 50 000 Zuschauern, droht zu einem einzigen Ärgernis zu werden.
Angesichts von Millionen Kartenwünschen wurden die begehrten Tickets verlost. Nun aber ist ein lebhafter Schwarzhandel im Internet ausgebrochen, die Illusion eines Freikonzerts löst sich in Luft auf.

Glücksspiel-Paradies
Dennoch sind die Stadtväter und die schwerreichen Barone des Glücksspiel-Paradieses wild entschlossen, ein unvergessliches Geburtstagsfest zu inszenieren. Keine Frage, dass hier der "größte Geburtstagskuchen der Welt" angeschnitten wird - 59 Tonnen wird das Gebäck wiegen. Allerhand Theater und Klamauk soll an die Tage im Jahre 1905 erinnern, als Rancher und Spekulanten Landparzellen entlang der gerade gebauten Eisenbahnlinie zwischen Los Angeles und Salt Lake City für insgesamt 265 000 Dollar ersteigerten.
Im Hochzeits-Eldorado, wo nicht nur Superstars wie Britney Spears nachts kurzerhand beschließen, schnell mal an der nächsten Ecke zu heiraten, werden zum Geburtstag 100 Paare gleichzeitig getraut.
Die Stadt mit dem gigantischen Kitsch - Nachbauten von Pyramiden, Venedig oder dem Eifelturm - und den verrückten Superlativen - wie dem größten künstlichen Vulkan, dem stärksten Laser-Strahl oder dem dicksten Goldklumpen - frohlockt derzeit über fast ausgebuchte Hotels.
Aber das Ganze ist nicht nur Touristenrummel - ernsthafter Hintergrund ist eine einmalige Erfolgsgeschichte. Denn die aberwitzige Fassaden-Welt ist die am schnellsten wachsende US-Metropole. Jeden Monat strömen 6000 Neubürger in den Großraum Las Vegas, wo bereits jetzt zwei Millionen Menschen leben.

Boomstadt platzt vor Ehrgeiz
Und die Boomstadt, in der 16 der 20 größten Hotels der Welt stehen, platzt vor Ehrgeiz. "Wir werden New York immer ähnlicher", schwärmt Bürgermeister Goodman.
Als Ausweis des ungebrochenen Wachstumswillen eröffnete Steve Wynn in diesen Tagen das angeblich "teuerste Hotel der Welt", eine für 2,7 Milliarden Dollar (fast 2,1 Milliarden Euro) erbaute Luxusburg mit echten Picassos und Chagalls an den Wänden, künstlichen Seen, Bergen und Wasserfällen im Hotelpark.
Las Vegas ist eine Goldgrube - weniger für die Spieler beim Roulette, Pokern oder an den Spielautomaten. Aber umso mehr für die Investoren in dieser Disney-Welt für Erwachsene.
Das als "Stadt der Sünde" verschriene Las Vegas scheint wie eine lasterhafte Enklave im prüden Amerika. Nicht nur, dass hier überall geraucht wird, auf der Straße Touristen mit großen Cocktail-Gläsern und Bierhumpen herumlaufen, auch der Sex - insbesondere der käufliche - ist allgegenwärtig. Und das in einer Stadt, in der - wie in fast ganz Amerika - Prostitution verboten ist.
Legal oder illegal - auf jeden Fall fließt der Geldstrom ungebrochen durch Vegas, für Glücksversprechen aller Art. Wie dramatisch die Illusionen platzen können, belegt die Selbstmordrate der Stadt. Sie ist die höchste aller US-Städte. "Was in Vegas geschieht, bleibt in Vegas", verspricht die Werbung. Nur konsequent, dass Fotografieren in Casinos und Sex-Bars streng verboten ist.
Las Vegas will auch die kommenden 100 Jahre mit Lastern und Sünden werben.

Hintergrund Rekordverdächtig
Einwohner: 1950 lebten in der damals von der Mafia geprägten Wüstenstadt 25 000 Menschen, heute sind es im Großraum zwei Millionen.
Besucher: 31 Millionen Touristen und sechs Millionen Geschäftsleute kamen im vergangenen Jahr.
Glücksspiel: Über 1000 Spieltische, zehntausende Spielautomaten gibt es in der Spielerstadt. Im Jahre 2001 gewann ein 25-Jähriger aus dem Automaten 39 713 982,25 Dollar.
Shows: Traditionell tummeln sich die Weltstars in Las Vegas, derzeit täglich Céline Dion und Elton John.
Glanz: Allein die "Freemont Street Experience" in der Altstadt wird von 12,5 Millionen Glühbirnen erleuchtet.
Hochzeitsmetropole: 128 250 Paare gaben sich 2004 hier das Jawort.
Rekorde: höchste Achterbahn der Welt, größter Goldklumpen, größter künstlicher Vulkan. . .