Sie ahnt weder, dass sie gleich ausgeraubt, noch dass sie im Kampf um ihre gefakte Designer-Handtasche in Lebensgefahr geraten wird. Geht es Peri um die Tasche oder eher um das, was in ihr steckt: ihr einziges Erinnerungsfoto aus ihrer Studienzeit in Oxford? Die türkische Autorin Elif Shafak beantwortet diese Frage nicht. Der Überfall ist der Punkt, an dem die Vergangenheit in die Gegenwart einsickert. Bald wird klar: So selbstbewusst und stark wie an diesem ganz normalen Frühlingstag im Jahr 2016 ist Peri zuvor nicht gewesen. Vor dem Hintergrund der sich derzeit täglich zuspitzenden politischen Lage in der Türkei erzählt die Autorin, die heute in London lebt, nicht nur die Geschichte einer jungen Intellektuellen, die nach eigener Identität, nach Wahrheit sucht, sondern zugleich die ihres Herkunftslandes, in dem Tradition und Moderne kollidieren. Gibt es für ihre Anti-Heldin überhaupt einen "dritten Weg" in einem System festgefahrener Dualitäten?

Elif Shafak: Der Geruch des Paradieses. Kein & Aber, 560 Seiten, 25 Euro