Du kommst aus Cottbus, wenn Du weißt, dass das Sternchen nicht nur ein kleiner Star war. So könnte man auf eine der Postkarten schreiben, die jetzt in Cottbus im Umlauf sind. Alteingesessene kennen das Sternchen. Und erzählen noch heute schwärmerisch davon.

Nicht umsonst hat Helmut Routschek, der selbst aus dem Sudetenland stammt, aber schon viele Jahre in Cottbus zu Hause ist, sein Anekdotenbuch gleich auf dem Cover mit dem Bild des Sternchens geschmückt. Es war die Zugabe zu einer repräsentativen Stadtpromenade, die in den 1960er- und 70er-Jahren gebaut wurde. Ein Magnet. "Der Star im Sternchen" heißt es dann noch verheißungsvoll.

Aufklärung gibt es wenige Seiten später. Was der Volksmund Sternchen nannte, eine konspirative Abweichung von einem seinerzeit verordneten anderen Stern, wie Routschek schreibt, war offiziell die Mocca-Milch-Eisbar "Kosmos". Eine Hyperschalenkonstruktion, sechszackig! und innen im Weltall-Look. Der erste sowjetische "Sputnik" machte damals unglaubliche Furore. Ob als "Trabant" oder als Sputnikbar, erinnert Routschek an den Zeitgeist jener Jahre.

Das Sternchen wurde aber nicht nur zur Filmkulisse, wie der Schriftsteller herausfand, dort soll sogar Meister Nadelöhr alias Eckart Friedrichson einmal heimlich seinen Schoppen Roten getrunken haben, bevor er von einer Gruppe Kegler erkannt wurde, die ihn zum gemeinsamen Feiern verführten.

Fröhlich und auch nachdenklich geht es in den 17 Geschichten zu, die Routschek zum Stammgast im Café Lauterbach machten, dem mit dem Cottbuser Baumkuchen auch ein Kapitel gewidmet ist. Dort traf er Gesprächspartner wie den einstigen Oberbürgermeister Waldemar Kleinschmidt oder die Heimatforscherin Dora Liersch. Das Sternchen als Quell vieler Anekdoten war ja nicht mehr da. Trotz Zehntausender Unterschriften für seinen Erhalt musste es im Jahre 2007 einem Shopping-Center weichen, bedauert der Autor.

Er hat versucht, Typisches und doch noch nicht allzu bekanntes in diesem Anekdotenbüchlein zu vereinen, den der Wartberg-Verlag in deutschen Städten über 100 000 Einwohnern herausgibt. Immer geht es um Erinnerungen aus diesen 40 Jahren zwischen 1950 und 1990. In der Cottbuser Ausgabe dürfen weder textile Impressionen fehlen, noch Pyramidales, Sportliches und Theatralisches. Schon gar nicht die unstete Uni und die Grünebaum-Stiftung. Und es enthält neben dem Sternchen natürlich auch Sternenkunde aus dem Planetarium, nicht anders zu erwarten von einem, der sich gern in ferne Galaxien träumt. Doch auch der Albtraum Stasi findet seinen Platz, leicht ironisch kommentiert - und vieles mehr.

Ausgestattet ist das Buch mit vielen Fotos aus den Archiven bekannter Lausitzer Fotografen, darunter auch RUNDSCHAU-Fotoreporter wie Erich Schutt und Michael Helbig. Ein Cottbus-Büchlein, das Geschichten bewahrt und Geschichte. Und sich so von Einheimischen und Besucher gleichermaßen gut in die Tasche stecken lässt.

Helmut Routschek: Cottbus - Geschichten und Anekdoten. Der Star im Sternchen. Wartberg-Verlag, 79 Seiten, 11 Euro.