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Stephan Ilge schlägt menschliche Brücken

Juristische und menschliche Brücken nach Polen schlägt das Cottbuser Landgericht seit vielen Jahren durch die Zusammenarbeit mit der dortigen Justiz. Seit Jahresbeginn wird gemeinsam mit der Fachhochschule Lausitz, Jugendämtern, der Jugendhilfe und verschiedenen Behörden ein neuartiges EU-Projekt zur grenzüberschreitenden Aufsicht bei Bewährungsstrafen erprobt. Von Ronald Ufer

Diese Kooperation begleitet der Künstler Stephan Ilge mit seiner Ausstellung „Brücken schlagen“ im Landgericht Cottbus. Einige Zeichnungen nehmen das Thema mit Darstellungen von Übergängen an Oder und Neiße wörtlich. In kräftigen klaren Strichen, auf das Wesentliche beschränkt, zeigen diese Arbeiten, die sich über den Fluss wölbenden und streckenden Bauwerke als verbindende Elemente der Uferlandschaften, die alles Trennende überwinden helfen. Sie geben beiden Seiten wie eine Klammer einen scheinbar festen Halt.
Andere Zeichnungen setzen den Begriff der Brücke symbolisch um, schlagen beispielsweise den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. So wächst bei der „Hermanns eiche“ aus der Reihe Muskauer Impressionen 2004 der neue noch junge Baum aus dem riesigen, vermodernden Stubben seines Vorgängers. Dieser gibt dem nachwachsenden Trieb Schutz und Nahrung, doch der kleine Stamm sucht trotz des gleichen Standortes seinen eigenen Weg der Sonne entgegen. Auch das Mahnkreuz, bei dem nur noch wenige wissen, an welche Untat es erinnert, und der Weinbergturm aus dem ethnografischen Freiluftmuseum Ochla, die zur gleichen Muskauer Serie gehören, transportieren Erinnerungen in die heutige Zeit. Was der Betrachter mit diesen Botschaften aus der Historie für sich anfangen kann, wird ganz verschieden sein. Der Künstler verzichtet darauf, dem Publikum die eigene Sicht aufzudrängen.
Auch dem Brückenschlag in die Zukunft widmet sich Stephan Ilge in seinen Werken. Das Gemälde „Inkagalaktika“ zeigt eine Form, deren Kleidung und Darstellungsart auf eine ferne Zukunft zu verweisen scheint. „Rotieren im Kreise des E.L.M.“ projizieren heutige Verhaltensweisen wie das ausweg- und hilflose Kreisen eines Mannes zwischen schier übermenschlichen, Macht verkörpernden Riesenköpfen in eine zeitliche Ferne.
Von Reisen durch Europa wurden weitere Brückenschläge inspiriert. Sie erfolgen zwischen Mensch und Natur. Beim Segeln vor Holland beispielsweise, in der Samariaschlucht auf Kreta oder beim natürlich nicht sichtbaren Gedankensprung am Meer geschieht dies, wo nur herumliegende Bekleidungsstücke auf den Ideengeber verweisen. So kann der Betrachter seinem eigenen Verhältnis, Ängsten und Vorlieben zu den Elementen Wasser und Land nachspüren.
Die Ausstellung kann zwei Monate lang während der Geschäftszeiten im ersten Stock des Cottbus Landgerichtes betrachtet werden.