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| 17:28 Uhr

Senftenberg 
„Damit es wie damals richtig kribbelt“

Gespanntes Warten auf das Urteil des Publikums: Welcher Titel kommt weiter? Schauspieler Sebastian Volk als quirliger Moderator mit seinen Kollegen Eva Geiler, Tom Bartels, Daniel Borgwardt und Hanka Mark (v.l.), die die Wunschmusik zur Freude des Publikums in Szene setzten.
Gespanntes Warten auf das Urteil des Publikums: Welcher Titel kommt weiter? Schauspieler Sebastian Volk als quirliger Moderator mit seinen Kollegen Eva Geiler, Tom Bartels, Daniel Borgwardt und Hanka Mark (v.l.), die die Wunschmusik zur Freude des Publikums in Szene setzten. FOTO: Neue Bühne
Senftenberg . Am Montag startete mit viel Jubel ein neues Format im Publikumsdialog des Senftenberger Theaters: das nB-Wunschkonzert. Von Heidrun Seidel

Das Leben ist doch ein Wunschkonzert. Zumindest am  vergangenen Montagabend im Rangfoyer der Neuen Bühne (nB) Senftenberg. Das jedenfalls haben sich die Theatermacher vorgenommen. Im neuen Format nB-Wunschkonzert wollen sie Musikwünsche des Publikums erfüllen. Das hatte ein paar Wochen zuvor die Gelegenheit, dafür einen Wunschzettel einzureichen. Thema ist beim ersten Mal: Mit 17 hat man noch Träume – Lieder meiner Jugend. Einzige Bedingung, um in die engere Auswahl zu kommen: Der Wunsch soll mit der ganz persönlichen Geschichte um diesen Titel begründet werden. Das Theater-Publikum hat gut mitgespielt, versichert der Schauspieler Sebastian Volk, der die Idee mit initiiert hat und nun den Abend moderiert, singt und auf der Gitarre begleitet. Auf Anhieb seien viele Wünsche eingegangen, und das erste Wunschkonzert war schnell ausverkauft.

Nun also ist das Rangfoyer in kuschliges Rot getaucht, die Lichttechniker zaubern einen romantischen Sternenhimmel an die Decke, und an den eng gestellten Tischen und Stühlen erwartet ein aus allen Altersgruppen bestehendes Publikum die Bescherung. Darauf haben sich die vier Schauspieler Eva Geiler, Hanka Mark, Daniel Borgwardt und Tom Bartels eingelassen.

So lässt Eva Geiler Danyel Gerards „Butterfly“ von 1971 durch den Raum fliegen. Sie erfüllt damit den Wunsch von einer Elvira – die Personen dürfen anonym bleiben – die sich damit an ihren ersten Bühnenauftritt in einem Ferienlager erinnert. Daniel Borgwardt interpretiert stilecht mit weißen Handschuhen „Suburbia“ von den Pet Shop Boys, das einen Zuschauer schmerzhaft mit einem Flugzeugabsturz 1986 vor Schönefeld, bei dem 20 Schweriner Zehntklässler ums Leben kamen, erinnert.

Tom Bartels zündet sogar eine Kerze an, als er sich für „American Money“ von Børns präpariert und damit das zur Hymne einer jungen Freundschaft gewordene Lied, in das viele Zuschauer einstimmen, darbietet. Und Hanka Mark kann ihre große Stimme bei „Hallelujah“  von Jeff Buckley beweisen, als sie den Wunsch einer Mama erzählt, die sich bei diesem Titel gern daran erinnert, dass ihre kleine Tochter im Auto immer aus vollem Herzen „Hallo Julia“ mitgeträllert hat.

In Runde 2 zeigt sich Daniel Borgwardt professionell und bei guter Stimme, als er Tokio Hotels „Durch den Monsun“ singt und dazu die Geschichte von Fans erzählt, die sich einst an einem Sommertag um 8 Uhr zu einem Abend-Konzert der damaligen Teenie-Schwarm-Band angestellt haben, es aber, weil sie nach und nach abklappten, allesamt nicht erlebt haben. Natürlich durften zur Erheiterung des Publikums dieser Inszenierung auf die Bühne geworfene BHs nicht fehlen.

Ganz tief in die Schlagermottenkiste musste Tom Bartels eintauchen, der den Wunsch nach einem Titel auf der 1973 von Amiga herausgegebenen Schallplatte „Unter südlicher Sonne“ mit den kroatischen Schlagersängern Ivica Serfezi und Dani Marsan zu erfüllen hatte und das mit seinem Talent fürs Komische und passendem Akzent mit „Du wirst noch einmal weinen“ zum großen Vergnügen des Publikum bewältigte. Damit konnte hoffentlich ein Kindheitstrauma erfolgreich bearbeitet werden.

Nur wenig später kam in der DDR Nina Hagen mit „Du hast den Farbfilm vergessen“ auf den Bildschirm. Eine Zuschauerin, die auch einen Michi auf Hiddensee kennengelernt und später sogar geheiratet hat, wollte das Lied hören, damit es noch einmal wie damals kribbelt. Dafür hat Hanka Mark, gestylt mit der passenden Frisur der späteren Punk-Ikone, gesorgt. Und schließlich hat auch Eva Geiler einen am elterlichen Mittagstisch von Schlagern und volkstümlichen Weisen wie Herbert Roths Rennsteig-Liedern geplagten Gast glücklich gemacht, der nach seiner Flucht ins Wohnheim Pink Floyd für sich entdeckt hat.

Nach den viermal zwei Liedern war es an den Zuschauern, ihre Wahl zu treffen, mit welchem Lied jeder Schauspieler den Wettbewerb nun weiter bestreiten solle. Das allerdings nicht wie gehabt. Nun wurden ihnen für die Interpretation musikalische Stilrichtungen vorgegeben. Und wie der „Farbfilm“ als Gospel, der „Monsun“ als Shanty, „Butterfly“ als Brecht-Weillsches Kunstlied und der kroatische Schlager als Kinderlied in Szene gesetzt wurden, hat das Publikum hingerissen – zu Lachanfällen und Beifallsstürmen.

Auch nach einer weiteren Runde war klar: Gewinner sind alle. Die Improvisationskunst der Schauspieler hat begeistert, ihr Spaß wurde zum gemeinsamen, und so hatte das Publikum einen lustvollen Abend. Für den hat ebenso der Dresdner Bühnenmusiker Benjamin Rietz am Klavier gesorgt. Der bringt diese – meist schon lange vorm Termin ausverkaufte –Reihe seit zwei Jahren mit einem Kollegen am Dresdner Staatsschauspiel auf die Bühne.

Mit dem nB-Wunschkonzert hat nun eine dritte Form des Dialogs mit dem Publikum ihren Weg in den Senftenberger Spielplan gefunden. Begonnen hatte die Art des „Gesprächs“ auf den Tag genau vor zwei Jahren, als die jungen Schauspieler den „Dämmerschoppen“ ins Leben gerufen haben. In diesem Nachtschwärmer-Programm finden Texte, Lieder, Szenen mit sehr viel Improvisation auf die kleine Bühne.

Das hat sowohl das gestandene, als auch neues und junges Theaterpublikum angelockt. Ebenso wie „Drama-Tisch: Die Lesershow“, in der die Schauspieler ein junges Stück aus der Gegenwartsdramatik lesen und darüber mit den Zuschauern ins Gespräch kommen.

Die nächsten Termine: 13. Januar, 22 Uhr, „Drama-Tisch: Die Lesershow“, 25. Januar, 20 Uhr, Rangfoyer, Dämmerschoppen. Im März gibt es  das nB-Wunschkonzert zum Thema: Lieder meiner Frühlingsgefühle. Musikwünsche können ab sofort an nb-wunschkonzert@theater-senftenberg.de gerichtet werden. Karten an der Theaterkasse oder unter Telefon: 03573 801286.