Man nehme einen gut gefüllten Hörsaal, junge Studenten, einen klassischen Orchesterapparat mit dynamischem Dirigenten und einen dem Schwarzpulver verfallenen Professor - und fertig ist das feurige Gemisch für einen Konzertabend mit Seltenheitswert. "Classic und Clubbing" wird die Veranstaltung neudeutsch genannt - und dennoch wissen die meisten, was gemeint ist. Zum ersten Mal veranstaltet das Philharmonische Orchester des Staatstheaters Cottbus sein jährliches Mitternachtskonzert auf dem Zentralcampus der BTU Cottbus-Senftenberg. Anschließend wird die Mannschaft der Szenekneipe Scandale in dieser Samstagnacht noch an den Plattentellern drehen und für feinsten Clubsound sorgen. Außerdem mit dabei: die "kreativen Töpfe" der Cottbuser Soroptimistinnen. Gefeiert wird bis früh um Vier.

"Vergessen Sie nicht, Ihre Handys nach der Veranstaltung wieder anzuschalten", scherzt Professor Wolfgang Spyra, Cottbuser Experte für Pyrotechnik, und führt mit seinen "spyrotechnischen Spektakeleien" durch das Vorprogramm eines besonderen Abends.

Geruch von Schwarzpulver

In seiner rund einstündigen Vorlesung kommt er auf verschiedene Flammenfärbungen und den Geruch von Schwarzpulver zu sprechen. Und wird nicht müde zu betonen, welche Gefahr von bengalischen Feuerwerkskörpern in Fußballstadien ausgehen kann. "Wir sprechen hier von Temperaturen im vierstelligen Bereich", warnt Spyra. Vorne im Hörsaal zischt es derweil und brennt, aber es ist alles unter Kontrolle. "Wenn Sie den Geruch von Schwarzpulver riechen, lassen Sie alles andere stehen", sagt Spyra. Das lässt nur halbwegs seine Leidenschaft für das heiße Element erklären.

Dann wird es humorvoll, als auf der Leinwand unterhaltsame Orchester-Filmszenen der vergangenen Jahrzehnte präsentiert werden. In besonderer Erinnerung bleibt der spektakuläre Auftritt der Olsenbande im 1976 erschienenen "Die Olsenbande sieht rot" im Königlichen Theater in Kopenhagen. Während der Ouvertüre kann sich die Olsenbande im Takt der Musik durch die Aufenthaltsräume des Theaterpersonals mit Hilfe von Bohrern, Brecheisen und Sprengsätzen den Weg bis in den Zuschauerraum freisprengen und mit einer Vase und einem Geldkoffer unbemerkt fliehen. Einfach köstlich anzuschauen!

Punkt 24 Uhr erhebt Generalmusikdirektor Evan Christ dann den Taktstock in einem inzwischen sehr gut gefüllten Audimax. Im Vordergrund stehen bewusst publikumswirksame Stücke, die ins Ohr gehen. Keine schwere Kost, und das ist an diesem Abend auch gut so. Zum Auftakt gibt es den dritten und vierten Satz aus Dvoráks 7. Sinfonie, ein typisches Charakterstück des böhmischen Meisters: markant-tänzerisch, zuweilen kämpferisch, in jedem Fall aber flott.

Ungewöhnliche Kulisse

Christ wirkt sehr entspannt vor dieser ungewöhnlichen Kulisse. Das Dozentenpodium wird zum Orchestergraben, die Akustik ist gut - was will man in einem Hörsaal auch anderes erwarten! Die Musiker bleiben bei Dvorák, es gibt Ausschnitte aus den "Slawischen Tänzen" mit volkstümlich anmutenden Elementen, bevor sich Christ und seine Mannschaft der Filmmusik widmen. Beeindruckend, wie das Philharmonische Orchester bekannte Klänge aus "Star Trek", "E.T. - Der Außerirdische" oder "Der König der Löwen" interpretiert. Auch die berühmte Sequenz aus "Mission Impossible" darf nicht fehlen. Die überwiegend jungen Zuhörer scheinen begeistert - und veranlassen die Musiker mit Beifallsstürmen zu einer Zugabe. "Um den Kreis zu schließen, enden wir - wie wir angefangen haben - mit Dvorák", so Christ.

"Das Konzept gefällt mir", sagt BTU-Studentin Lisa Müller. "Klassische Musik publikumswirksam verpackt und mal an einem ungewöhnlichen Ort zu einer ungewöhnlichen Zeit aufgeführt, das macht echt Spaß", so die Studentin.

Natürlich dürfen an einem solchen Abend auch offizielle Gäste nicht fehlen. Martin Roeder, Geschäftsführender Direktor des Staatstheaters, und BTU-Präsident Professor Jörg Steinbach unterzeichnen im Beisein von Kultur- und Wissenschaftsministerin Martina Münch eine Vereinbarung für eine künftig stärkere Zusammenarbeit zwischen Universität und Theater. "Lassen Sie uns die Vereinbarung in den kommenden Jahren mit Leben erfüllen", sagt Münch. Die Rede ist von einer optimalen Vernetzung von Wissenschaft und Kultur. Glücklicherweise halten sich alle Beteiligten mit weiterführenden ausschweifenden Grußworten aber zurück, sodass die Musik im Vordergrund bleibt.

Aushängeschild der Stadt

"Ihr seid das Aushängeschild der Stadt", lobt BTU-Präsident Professor Jörg Steinbach das Orchester nach einem feurigen Auftritt überschwänglich. "Ihr seid bereits da, wo wir als Universität noch hinwollen." Und bietet zugleich an: "Ihr könnt jederzeit wiederkommen, wann immer es passt." Fortsetzung folgt.